Philip Snijder: Sonntagsgeld

Sonntagsgeld

Verlag: Claasen Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-546-00434-3

Preis: 0,59 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Oktober 2016]
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In Bickerseiland, einem einfachen Amsterdamer Stadtviertel fern der prächtigen Häuser der Innenstadt, wächst der elfjährige Icherzähler in den 60er Jahren wie auf einer Insel heran. Einige der Bewohner treiben Handel, einige sind arbeitslos. Die Wohnungen sind so klein, dass das Leben meist auf der Straße stattfindet. Man beobachtet die Welt vor dem Haus aufgestützt auf das Fensterkissen, ein Sofakissen, das ins geöffnete Fenster gelegt wird. Im Viertel sind beinahe alle miteinander verwandt. Außer mit den eigenen Tanten und Onkeln wächst jedes Kind mit Nenntante und -onkel auf, Freunden der Eltern, die bei Bedarf auf das Kind aufpassen und die jeden Sonntag als kleines Taschengeld das Sonntagsgeld auszahlen.

Es gibt für Kinder und Erwachsene selten einen Anlass, über die Brücke zu gehen, um die Insel zu verlassen. Der Müll wird damals noch in die Grachten gekippt. Eines der wenigen Abenteuer für Kinder bieten die Schüttchen, die Müllhaufen, wenn dort etwas angetrieben wird, für das es lohnt, vom Schüttchen aus danach in der Gracht herumzustochern. Untereinander sprechen die Leute von Bickerseiland Platt. Die Schule, in die ihre Kinder gehen und die Sprache des Lehrers, die sie ziemlich affig finden, bleibt den Erwachsenen eine fremde Welt. Der Lehrer der Kinder ist ständig bemüht, seine Schüler zu fördern und ihnen die Welt außerhalb ihres Stadtviertels nahe zu bringen. Diese fremde Welt dringt zunächst in Form von Lesezirkel-Zeitschriften, die Onkel und Tante abonniert haben, und den Mickey-Maus-Heften einer Cousine des Jungen in die beklemmende Idylle ein. Der Junge ist ein guter Schüler, doch ihm ist klar, dass er zum Außenseiter in der heimeligen Welt seiner Kindheit wird, wenn er "weitergeht", eine bessere Schulausbildung bekommt. Was es bedeutet, nicht von Bickerseiland zu stammen, kennt der Junge sehr gut von seinem Vater, der vom Land kommt und ins Viertel geheiratet hat. Der Vater wurde stets als Fremder behandelt und kultiviert seinen Außenseiter-Status damit, dass er zu feierlichen Anlässen als einziger Mann eine Fliege statt einer Krawatte trägt. Seinen ersten Schritt ins Erwachsenenleben macht der Icherzähler auf einer Paddeltour mit seinem Vater, die ihn aus dem Viertel herausführt und vom Wasser aus die Plätze seiner Kindheit aus der Distanz betrachten lässt. Auf dieser Tour wird dem Jungen und den Lesern deutlich, was den Vater auf Bickerseiland tatsächlich zum Außenseiter gemacht hat und wie unerwartet nah Vater und Sohn sich sind.
Fazit
"Sonntagsgeld" erzählt die Geschichte einer Kindheit unter kleinen Leuten, die die Feste feiern wie sie fallen und nur durch ihren engen Zusammenhalt in knappen Zeiten überleben können. Philip Snijders Erstlingsroman zeichnet sich dadurch aus, dass er seinen Figuren eine authentische Sprache gibt, sie mit all ihren Macken stets liebevoll darstellt, ohne auf die Menschen herabzusehen.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 29. März 2009

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