Aloys Winterling: Caligula - Eine Biographie

Caligula - Eine Biographie

Verlag: Verlag C. H. Beck [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-406-50206-4

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Der Name Caligula steht im allgemeinen Kanon der Altertumswissenschaften als Inbegriff des Cäsarenwahnsinns. In jeder Biographie wird dieser Kaiser als manisch Größenwahnsinniger dargestellt, der das gute Erbe eines Augustus (und auch eines Tiberius) verschleudert habe. Gleichzeitig wird an ihm ein Wesenszug festgemacht, der die weitere Betrachtung der römischen Kaiserzeit angeblich kennzeichnen soll: Dekadenz und der Wahn, selbst ein Gott zu sein. Diese Charakteristika werden nur von ganz wenigen (angeblich) leuchtenden Beispielen an Tugend unterbrochen: Trajan, Hadrian, Marc Aurel und mit Abstrichen die Severer.

Der Althistoriker Winterling stellt jedoch eine interessante These auf: Was, wenn dieser Kaiser Caligula, der einer damnatio memoriae des Senats zum Opfer fiel, gar nicht ein unberechenbarer Lüstling und Trottel gewesen ist, sondern vielmehr ein zynischer Machtpolitiker? Was, wenn er einen Esel zum Konsul bestellte, nicht aus seiner Torheit, sondern aus Berechnung, um den Senatoren Roms zu zeigen, dass auch sie nur Marionetten waren? Denn der Princeps, der primus inter pares, war im alten Rom nicht ein Erster unter Gleichen, sondern der Erste des Staates und uneingeschränkter Dominus. Winterling streicht die Rivalität des Kaisers zum Senat heraus, den er endgültig entmachten wollte. Denn die Aristokratie Roms, die sich nach ihren (und nur ihren) Freiheiten der Republik sehnte, war für einen Monarchen mehr als lästig. Winter charakterisiert Caligula nicht als einen durch und durch verdorbenen Größenwahnsinnigen, sondern als einen Realpolitker, der schließlich an den alten Seilschaften scheiterte und von ihnen ermordet wurde.
Fazit
Ob Caligula damit rehabilitiert ist - ich für meinen (bescheidenen) Teil bezweifle das, doch ist dieses Buch eine interessante Lektion zum Thema Quellenkritik und der Herangehensweise in der Altertumsforschung, die mehr als andere Geschichtsdisziplinen vom sorgfältigen Sichten der Quellen und einer klaren Analysetechnik lebt. Gut geschrieben ist die Biographie ohnehin und somit eine interessante und angenehme Lektüre, noch dazu wo sie so flüssig verfasst worden ist.
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 08. Mai 2003

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