Mark Kuntz: Mein Leben auf der Waschmaschine

Mein Leben auf der Waschmaschine

Verlag: Kindler Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-463-40531-5

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Ist Ihre Waschmaschine weiblich oder männlich? Ich hätte schwören könne, dass Waschmaschinen weiblich sind; denn nicht nur unsere, sondern auch die Wasch- und Geschirrspülmaschinen unserer Nachbarn hören auf altgediente weibliche Namen wie Emma oder Minna. Mark Kuntz Waschmaschine ist eindeutig männlich, sie heißt Emre. Kuntz' Beziehung zu Emre liefert seinem Roman die Rahmenhandlung, die Skizze eines Programmschalters zeigt über jedem Kapitel den Stand der Handlung an. Der Ich-Erzähler stellt eines Tages fest, dass er sich seine persönliche Work-Life-Balance ganz anders vorgestellt hat und kündigt seine Arbeitsstelle. Mit seiner berufstätigen Ehefrau und zwei Kindern lebt der frisch gebackene Freiberufler und Hausmann in einer BWG, einer Beziehungs-Wohngemeinchaft, erweitert zu einer Beziehungs-Wohngemeinschaft mit Kindern. Der Traum, nun jeden Morgen lange schlafen zu können und nachts all die großartigen Projekte ausarbeiten zu können, zu denen der junge Vater bisher nicht gekommen war, ist schnell ausgeträumt. Um die Konstanten "die Frau geht morgens pünktlich zur Arbeit", "das Kind muss um 15.00Uhr aus dem Kindergarten abgeholt werden" herum geschieht in der Zweisamkeit mit Waschmaschine Emre wenig. Die Hausmann-Tätigkeit findet ihr Ende, als Schwager Ricky um Hilfe in seiner Augsburger Firma bittet. Und wieder gerät die Work-Life-Balance aus dem Tritt, als der Erzähler aus Hamburg auf Montage in den Süden reist. Bei seiner Rückkehr muss der Icherzähler sich der Frage stellen, ob der moderne Mann und die emanzipierte Frau es generell miteinander aushalten können, exakter welche Zukunft die gemeinsame Beziehung hat.

Kuntz' (Die richtige Frau, Der letzte Raucher) Icherzähler bestätigt offenbar die ungeschriebene Regel, dass ein Mann, auch wenn er nur wenige Monate seine Kinder versorgt, darüber ein Buch schreiben wird. Kuntz lässt seinen Erzähler die Rolle als Partner und Vater in Ansätzen reflektieren und beschreibt einige rührende Vater-Sohn-Szenen. Erinnerungen an die Zeit mit den namenlosen Kindern mäandern ohne chronologischen Entwicklung zwischen Babyalter und Gegenwart hin und her und zeigen das Bild eines distanzierten Vaters.
Fazit
Die kurzen Texte in gerade passender Länge bieten leichte Unterhaltung. Mit der Figur des Ehemanns der "richtigen Frau", die nicht beim Namen genannt wird, und seinem Praktikum als moderner Mann und Vater bin ich dennoch nicht recht warm geworden.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 16. Januar 2009

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