Jean-Maria Gustave Le Clézio: Ein Ort fernab der Welt

Ein Ort fernab der Welt

Verlag: BTB [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-442-72762-9

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Jacques, Léon und Suzanne Archambau sind 1891 mit dem Schiff nach Mauritius unterwegs, als auf dem Schiff die Pocken ausbrechen und Passagiere wie Mannschaft auf der Insel Plate nördlich von Mauritius in Quarantäne bleiben müssen. Kurz taucht Rimbaud als Patient von Léon Archambaud auf - doch von dieser Szene sollte man nicht zu viel erwarten. Die Geschwister Archambaud empfinden Mauritius als ihre Heimat. Nach dem Tod ihrer Mutter haben sie ihre Kindheit in der Obhut ihres Onkels in Paris verbracht. Den Kindern bleibt aus dieser Zeit ihr Großvater als begeisterter Geschichtenerzähler in Erinnerung, auch ihre Großmutter weckte in den Kindern die Liebe zu Geschichten. Jacques hat später während seines Medizin-Studiums in England gelebt. Die Geschwister Archambau, denen die Fabulierlust schon in die Wiege gelegt wurde, müssen sich nun in tropischem Klima die Zeit vertreiben, bis die Quarantäne aufgehoben wird und sie wieder an Bord eines Schiffes gehen können. Die erzwungene Untätigkeit in lähmender Hitze lässt die in Sichtweite von Mauritius internierten Europäer darüber nachsinnen, ob sie je wieder abgeholt werden oder etwa auf der Insel ausgesetzt worden sind.

Während Suzanne einen schweren Malaria-Anfall erleidet, erweisen sich die Brüder als gute Beobachter der kleinen Gemeinschaft aus Einheimischen, indischen Einwanderern und Europäern. Akribisch beobachtete auch der Botaniker John Metcalfe die Natur des Inselchens und führte darüber ein wissenschaftliches Tagebuch. Motiv für Metcalfes Forschungsreise war die Idee, auf der Insel Nutzpflanzen anzubauen und so die Versorgung der Bewohner zu verbessern. Mit der Lektüre von Metcalfes Aufzeichnungen entzieht sich Jacques der profanen Wirklichkeit, in der Lebensmittel- und Wasservorräte allmählich schwinden. Léon verliebt sich auf der Insel in die junge Inderin Suryavati. Auch Ananta, Suryavatis Mutter, hat in London gelebt und sucht in Gesprächen mit Léon nach den Erinnerungen ihrer Jugend und den Namen ihrer leiblichen Eltern. Die Vorgeschichte, wie Suryavati und ihre Mutter Ananta während des Sepoy-Aufstandes in Indien auf diese Insel gelangten und die Erinnerungen der Geschwister Archambau bilden das kunstvolle Geflecht der Handlung. Auf "Flat Island" wurden im 19. Jahrhundert tatsächlich Kranke ausgesetzt, um die Verbreitung von Pocken und Cholera einzudämmen. Leons und Suryavatis Enkel werden Jahrzehnte später auf den Spuren ihrer Großeltern wieder auf die Insel zurückkehren.
Fazit
Le Clézio verknüpft elegant die die bis in die Kolonialzeit Frankreichs zurückreichenden Geschichten einer französisch-stämmigen und einer indischen Familie mit stimmungsvollen Landschaftsbeschreibungen. "Ein Ort fernab der Welt" (frz.: La Quarantaine. 1995) zeigt sich als umfangreicher, trotz seiner unterschiedlichen Perspektiven flüssig zu lesender Kolonial-Roman.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 16. Dezember 2008

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