Kevin Leman: Verwandeln Sie Ihr Kind in 5 Tagen

Verwandeln Sie Ihr Kind in 5 Tagen

Verlag: LUQS-Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-940158-34-5

Preis: 41,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 27. September 2016]
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Nachdem Winterhoff in seinem ersten Buch noch nicht schlüssig begründen konnte, warum er ganz Deutschland als pädagogische Notstandszone betrachtet, weckte Lemans optimistisches Versprechen "Verwandeln Sie ihr Kind in 5 Tagen" meine Neugier. ABC - Ansichten, Benehmen, Charakter will der amerikanische Psychologe in wenigen Tagen verändern. Ansichten sollen unsere Kinder entwickeln und vertreten können, ihren Charakter beeinflussen Erfahrungen und Vorbilder. Wie viel Einfluss Eltern tatsächlich auf Ansichten oder Charakter ihrer Kinder ausüben, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Bleibt B, das Benehmen. Leman, der fünffacher Vater und inzwischen Großvater ist, kommt gleich zur Sache. Eltern sollen in der Erziehung zwischen wichtigen und unwichtigen Angelegenheiten unterscheiden, ihren Kindern Vorbild sein und ihre Ansichten eindeutig vertreten. Eltern, die über Macken ihrer Kinder klagen, sind laut Leman Eltern, die selbst schlechte Angewohnheiten haben. Spätestens an diesem Punkt erweist sich Lemans einprägsames ABC vom Titelblatt als Überraschungs-Ei. Damit sich am kindlichen Verhalten etwas ändert, müssen sich zunächst die Erzieher selbst ändern. Sollte nach 5 Tagen Lemans optimistisches Ziel nicht erreicht sein, sollten die Kinder sich noch nicht völlig verändert haben, kann das nur am langsamen Entwicklungs-Tempo der Erzieher liegen.

Überlegen Sie, ob Ihr Erziehungs-Problem eine Mücke oder ein Elefant ist, formuliert Leman prägnant. Sagen Sie nur einmal, was sie von ihren Kindern erwarten und gehen Sie danach aus dem Zimmer. Wenn Sie mehrmals das Gleiche wiederholen, signalisieren Sie ihren Kindern, dass Sie sie für zu dumm halten, gleich zu verstehen, was von ihnen erwartet wird. Lassen Sie Ihre Kinder Verantwortung für ihr Verhalten tragen und die Konsequenzen selbst spüren. Wer verschläft, kommt zu spät und blamiert sich vor den Klassenkameraden. Wer die Mutter beim Telefonieren stört, wird vor die Tür gesetzt, bis sie zu Ende gesprochen hat. Lernen Sie, zwischen Agieren und Reagieren zu unterscheiden, rein spontane Reaktionen können Ihre Erziehungs-Bemühungen schnell wieder zunichte machen. Leman fackelt nicht lange und erwartet das selbe Verhalten von seinen Lesern. Ausreden und Widersprüche von Elternseite sind nicht vorgesehen. Der amerikanische Psychologe vermittelt Erziehung als beständigen Machtkampf zwischen Erwachsenen und Kindern. Lemans persönliche Toleranzgrenze ist mit dem Thema gemeinsamer Kirchgang erreicht. Hier lässt er keine abweichenden Meinungen zu und geht mit den vorgeschlagenen Strafmaßnahmen über "natürliche Konsequenzen" weit hinaus. Lemans Humor wird manchen Eltern nicht gefallen (beugen Sie sich nicht dem Terror manipulativer Schnullerlutscher). Auch an Lemans Überzeugung, dass trotzende Kinder einen Klaps aufs Hinterteil brauchen (Seite 214), werden sich die Geister scheiden. Hat der Autor hier einen Köder für Leser und Zuhörer ausgelegt, um ihnen seine persönliche Inkonsequenz vor Augen zu führen? Weshalb sollte ein Kleinkind, dass mit der Konsequenz der Leman-Methode erzogen wird, den Supermarkt zusammen schreien? Dass die Mutter keine Quengelware kaufen wird, ist doch von vornherein klar. Das System Leman ist nicht frei von Widersprüchen - wer seine Kinder dazu anhält, sich gegen Gruppendruck Gleichaltriger durchzusetzen, muss auch am Familientisch andere Meinungen ertragen können.

Nach einer kurzen Einführung in seine Erziehungsziele im ersten Drittel des Buches wendet sich der Autor im Teil "Fragen Sie Dr. Leman" konkreten Fragen zu. Hier gibt er Tipps zu Absprachen mit erwachsenen Kindern, zum bequemen Hotel Mama, zu Manieren und Machtkämpfen, Meinungsverschiedenheiten über den Kirchgang, Lügen, Ausreden, Streit ums Piercing, sowie zum Fernseh- und Computerkonsum. Martialische schwarze Kleidung toleriert der Autor nicht, seine Einschätzung des Familienlebens im Computerzeitalter wirkt dennoch zeitgemäß. Lemans konkrete Beispiele aus dem Erziehungsalltag sind deutlich christlich-US-amerikanisch geprägt. Den Praxis-Teil des Buches finde ich sprachlich eindeutiger und verständlicher als die Einführung in Lemans Erziehungsziele.

In der Altherren-Riege der Ratgeber-Autoren können sich Lemans wertkonservative Erziehungsziele zwischen dem ähnlich argumentierenden David Walsh, dem verbindlicheren Jesper Juul Das kompetente Kind und Jan-Uwe Rogge Der große Erziehungsberater durchaus behaupten. Im englischen Original wirken Lemans Botschaften vermutlich prägnanter; denn Muttersprache, Kultur und Erziehungsnormen sind eng miteinander verknüpft. Die Übersetzung des Buches hält sich nah an den englischen Orignal- Text und behält die ABC-Reihe der Erziehungsziele bei. Treffende deutsche Begriffe wie Disziplin, Selbstständigkeit oder Urteilsfähigkeit wären hier einprägsamer.
Fazit
Der amerikanische Erfolgsautor Dr. Kevin Leman hat keine Patentrezepte anzubieten; er zeigt an praktischen Beispielen, wie eine christlich geprägte, wertschätzende Erziehung im Alltag konsequent verwirklicht werden kann. Wenn Ihre Kinder sich in 5 Tagen nicht geändert haben, liegt es vermutlich nicht an Ihren Kindern, sondern daran, dass Sie selbst in alte Verhaltensweisen zurück gefallen sind. Lemans "Verwandeln Sie Ihr Kind in 5 Tagen" ist ein sinnvoller Beitrag zur aktuellen Werte-Diskussion, wenn seine Leser sich der Weltanschauung des Autors und der deutsch-amerikanischen Übersetzungs-Probleme bewusst sind.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 05. Dezember 2008

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