Michael Chabon: Die Vereinigung jiddischer Polizisten

Die Vereinigung jiddischer Polizisten

Verlag: Kiepenheuer & Witsch [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-462-03972-6

Preis: 19,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Januar 1970]
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Eine jüdische Gemeinde in Sitka, der Provinz in Alaska, deren Ureinwohner einst russische Siedler aus der Gegend vertrieben, das klingt so abwegig, dass es schon wieder wahr sein muss. Damit die Regierung im fernen Washington nicht zu übermütig wird, stellt Michael Chabon den aufmüpfigen Ureinwohnern vom Stamm der Tlingit mit seiner fiktiven jüdischen Gemeinde eine dritte politische Kraft an die Seite. Der Ermittler Meyer Landsmann, Nachkomme galizischer Juden, lebt nach der Trennung von seiner Frau Bina in einem heruntergekommen Hotel. Dort wird ein "mit Sorgfalt und Diskretion" ermordeter Mann aufgefunden, genannt Emanuel Lasker, angeblich Schachspieler und wie Landsman Jude. Zufälle gibt es nicht in diesem abgelegenen Landstrich am Rande der Zivilisation, der in weiten Teilen gefroren oder von Wasser umgeben ist, und so sollten Vorgeschichte und Kontakte des Mordopfers schnell zu ermitteln sein. Landsman und sein Partner Berko Bear (ein Teil-Tlingit, der so aussieht wie er heisst und selbstverständlich auch mit Meyer verwandt ist) tauchen bei ihren Ermittlungen ein in die jüdische Kultur Sitkas. Landsman sieht sich dabei täglich mit dem tragischen Scheitern seiner Ehe konfrontiert; denn seine Exfrau-Bina ist inzwischen seine Vorgesetzte. Und weil alle miteinander verwandt sind und alles mit allem verknüpft ist, entdeckt Landsman eine Verbindung des aktuellen Falls zur internationalen Politik und zu seiner tödlich verunglückten Schwester Naomi.

Mit ansteckender Fabulierlust persifliert Chabon das jüdische Lebensgefühl und führt uns in Familienclans, in denen spitzzüngig miteinander gerungen wird. Symbolträchtige, urkomische Eigennamen, eine kräftige Prise Jiddisch und Chabons wohl dosierter Sarkasmus lenken glatt davon ab, dass Landsmann einen Mord aufzuklären hat.
Fazit
Auch wenn die Mordermittlungen nur der Vorwand für das Abbrennen eines Feuerwerks skurriler Ideen zu sein scheinen, Chabons schräge Gestalten, sein gnadenloser Sarkasmus und der Clash der jüdischen mit der indianischen Tlingit-Kultur garantieren ein Lesevergnügen auf höchstem Niveau.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 24. November 2008

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