Sabine Schiffner: Kindbettfieber

Kindbettfieber

Verlag: Fischer Taschenbuchverlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-596-16797-5

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Hinrike, Frieda und Sigune, drei Bürgertöchter aus Bremen und ihre Erfahrungen mit Schwangerschaft und Geburt stehen im Mittelpunkt von Sabine Schiffners Gesellschafts-Panorama. Agnes wird mit 14 Jahren in die Stadt "gegeben", sie kommt als Dienstmädchen in Hinrikes Haushalt. Dort legt man Wert auf preußische Tugenden und grenzt sich doch zum nahen Holland ab. Ganz so weit wie die vom Calvinismus geprägten holländischen Nachbarn gehen die Bremer nicht, sie geben keinem vorbeigehenden Fremden die Gelegenheit, unter kurzen Gardinen hindurch neugierig ins Haus zu sehen. An Agnes Schicksal entlarvt sich die fest gefügte bürgerliche Ordnung, deren vorgebliche Moral wir aus heutiger Sicht schwer nachvollziehen können. Während Hinrikes 1911 geborenes Kind erwünscht und liebevoll umsorgt wird, hat sich ein Dienstmädchen wie Agnes, das vom Dienstherrn vergewaltigt wird, der Schwangerschaft zu schämen und ihr Kind lebenslang zu verschweigen.

Im Abstand von 30 Jahren wird stets an den Ostertagen eine weitere Tochter oder Enkelin der Familie in eine Ausnahmesituation geraten, die durch ihre Schwangerschaft oder die Geburt eines Kindes ausgelöst wird. An Kindbettfieber erkrankt zum Glück keine der Frauen, ihr "Fieber" wird schlicht durch eine Brustentzündung ausgelöst, durch die deprimierende Erkenntnis, sich mit der Familiengründung in eine Sackgasse manövriert zu haben oder beim Versuch, der Auseinandersetzung mit der Mutterrolle ganz aus dem Weg zu gehen. Sabine Schiffner handelt Familienerinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, wie auch die deutsche Nachkriegsbefindlichkeit zur hohen Zeit der Ostermärsche mit subtilem Spott ab. Die Fülle betulicher Selbstbespiegelungen Schwangerer und Gebärender in ihrem Familienepos wird in dieser Ausführlichkeit nicht jeden ansprechen. Schiffners facettenreiche Schilderung des Bremer Nachkriegs-Alltags (Stichworte: Hasenbrot und Eierharfe) verbunden mit einer Prise Fernweh nach fremden Ländern, sowie die authentische Sprache ihrer Figuren fügen sich jedoch zu einem bemerkenswerten Portrait hansestädtischen Lebens.
Fazit
In teils verwirrenden Einzelszenen entlarvt Kindbettfieber mit fein portioniertem Spott das Leiden von Frauen unterschiedlicher Generationen an ihrer Mutterrolle.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 10. November 2008

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