Gibt es etwas wichtigeres als die Frage von Krieg und Frieden? Für Millionen von
Menschen stellt sich diese Frage nicht. Krieg, und damit verbunden: Flucht,
Vertreibung, Hunger, Durst, Seuchen, Zerstörungen und immer wieder elendiges
Krepieren aus Not oder durch die Gewalttaten der Kriegsparteien - das ist für
sie Alltag.
28 Kriege und eine Vielzahl bewaffneter Konflikte zählten die Autoren 2002. Ein paar davon gingen zu Ende, einige - wie der "Krieg gegen den Terror" begannen neu. Die allermeisten finden in den westlichen Medien kaum ein Echo. So toben in und um den Kongo (-Kinshasa) seit 1990 mehrere Kriege, in denen mindestens 3.5 Millionen Menschen starben - tausend mal mehr als im derzeitigen III. Golfkrieg. Reporter trauen sich nur selten vor Ort, nur wenige Hilfsorganisationen leisten im Kongo oder auch den anderen Gebieten Hilfe. Es gibt kaum Bilder von diesen Kriegen, keine Schlagzeilen, wenige Zeitungsmeldungen am Rande - und doch ist das Sterben dort real. Noch seltener sind Bücher, die kompakt, differenziert und genau nicht nur die einzelnen Kriege beleuchten, sondern auch ihre Hintergründe aufklären. Die sind oft verwirrend und entmutigend - einfache Lösungen gibt es wohl nicht. Mich hat das Buch, gerade aufgrund seiner unaufgeregten Sachlichkeit und seiner engagierten Parteinahme für die Betroffenen, tief bewegt. Ich denke, daß es jedem so gehen wird, dem das Leid seiner Mitmenschen nicht kalt läßt. Es ist anstrengend zu lesen, nicht, weil die Sprache übermäßig akademisch wäre, sondern weil das reale Kriegsgeschehen durch keinerlei ideologische Watte oder simplifizierende Schuldzuweisungen leichter verdaulich gemacht wurde. Fazit
"Das Kriegsgeschehen 2002" berichtet in einer klaren, nüchternen
Sprache, welche Kriege stattfinden, wer sie betreibt, und aus welchen Gründen
sie geführt werden. Wie seine Vorgängerbände macht es nur auf Probleme
aufmerksam, es ersetzt nicht das eigene politische Denken, nicht das eigene
Engagement. Aber für beides bietet es eine bessere Grundlage als fast jedes
andere Buch auf dem deutschen Markt.
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