Dietrich Grönemeyer: Die neuen Abenteuer des kleinen Medicus

Die neuen Abenteuer des kleinen Medicus

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendsachbuch
ISBN-13 978-3-498-02502-1

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Nanolino, der in Grönemeyers Der kleine Medicus auf winzigstes Format geschrumpft wurde und als Korponaut aufregende Abenteuer im menschlichen Körper erlebte, ist im zweiten Band reifer geworden. In seinem Leben hat sich inzwischen einiges verändert: Nano ist nicht mehr "sehr klein für sein Alter", sondern kleinwüchsig und hat seine Begeisterung für Fußball entdeckt. Auch Nanos Familie (Mutter, Schwester, Opa und zwei Omas) sieht sich mit grundlegenden Veränderungen konfrontiert: der Großvater Erwin hat gesundheitliche Probleme; Oma Rosi, die Expertin für Brennnessel-Tinkturen und Hausmittel aller Art, ist zwar noch fit und voller Zukunftspläne, doch sie bereitet sich in Gedanken darauf vor, dass sie im Alter die Unterstützung ihrer Familie brauchen könnte. Im Zusammenhang mit Nanos Fußballbegeisterung gibt Grönemeyer am Beispiel einer Knieverletzung Einblicke in die Funktion des menschlichen Skeletts, in Fitnesstraining und Muskelaufbau und lässt Oma Rosi Grundsätze zur gesunden Lebensführung predigen. Nanolino erhält die Gelegenheit, mit dem Mini-U-Boot "Manta" im Knie des verletzten Jimmy herum zu düsen und Jimmys Knie genau von innen zu betrachten. Micro Mintec glänzt mit der Entwicklung eines solargetriebenen fliegenden Arztkoffers und auch der experimentierfreudige Dr. X und der fiese Professor Schlotter dürfen nicht fehlen.

Im Gegensatz zu "Der kleine Medicus", in dem mir die Verknüpfung von Fantasy, Information und Hausrezepten im Edutainment-Stil nicht gefiel, hinterließen "Die neuen Abenteuer des kleinen Medicus" im ersten Drittel des Buches einen positiven Eindruck. Die anschauliche Darstellung von Jimmys Sportverletzung kann Jugendliche leicht für Vorgänge im menschlichen Körper begeistern. In der Folge gelingt es Grönemeyer nicht, die reale und die Fantasy-Handlung schlüssig miteinander zu verknüpfen, die Themen Ohr und Hören, sowie die Altersbeschwerden der Großeltern und weiterer Personen glaubwürdig in Nanos Abenteuer einzubinden. Wie auch im ersten Band reihen sich erzählte Kapitel, Kästen mit Sachinformationen und Hausmittel der Oma ohne erkennbaren Bezug aneinander. Für Jugendliche wenig interessante Themen der HNO-Sparte und des Alterns nehmen im Buch mit fast zwei Dritteln der Sach-Kapitel zu viel Raum ein. Die Logik der beliebigen Aneinanderreihung von Nanos Erlebnissen, Informationen zum Thema Galle (Seite 165), Magersucht (Seite 171) und einem Rezept für einen Beruhigungstee (Seite 173) erschließt sich dem Leser nicht. Dass Nano - inzwischen deutlich in die Pubertät gekommen - sich in Eliza verliebt, wird leider nicht weiter vertieft. Schade, dass auch das Thema Kleinwüchsigkeit in seinen Auswirkungen auf Nanos reales Leben keine weitere Beachtung findet. Das Buch enthält einige interessante Abbildungen des menschlichen Skeletts in der Kernspintomografie, die mich stärker interessiert hätten, wenn sie einen Bezug zur Handlung hätten und zum Beispiel ein tatsächlich beim Fußball verletztes Knie zeigen würden. Ein gemeinsames Register versammelt Stichworte beider Bände, ein eigenes Register listet die genannten Heilmittel auf, doch - wie auch im ersten Band - lassen sich die sinnvollen Hausrezepte nicht über ein Register erschließen.
Fazit
Grönemeyer nimmt offensichtlich die Veränderungen einer alternden Gesellschaft auf den Lebensalltag von Familien wahr und will mit seinem kleinen Medicus Leser mehrer Generationen ansprechen. Selbst in Kombination mit dem in der Saison 2007/2008 aktuellen Thema Fußball überzeugen "Die Neuen Abenteuer des kleinen Medicus" nicht.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 04. November 2008

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