Joe Dunthorne: Ich, Oliver Tate

Ich, Oliver Tate

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-498-01326-4

Preis: 1,89 Euro bei Amazon.de [Stand: 03. Dezember 2016]
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Über den männlichen Pubertisten schien längst alles geschrieben zu sein, als Der dreizehnte Monat die Leser begeisterte. Über den männlichen Pubertisten schien endgültig alles geschrieben zu sein, als Hornby mit Slam einen jugendlichen Skater als werdenden Vater schuf. Doch in unserer Begeisterung hatten wir die walisischen Autoren übersehen. Joe Dunthornes 15-jähriger Held Oliver ist überzeugt davon, dass es mit der Ehe seiner Eltern ohne seine verdeckten Ermittlungen ein böses Ende nehmen wird. Das Liebesleben der Tates, der Verbrauch von Verhütungsmitteln, Hygieneartikeln und Antidepressiva unterliegt Olivers penibler Kontrolle. Im Dienst an der Rettung der Ehe seiner Eltern schreckt Oliver buchstäblich vor nichts zurück, nicht einmal vor der Anwendung von Feng-Shui. Der junge Mann ist beunruhigt "vom Klimawandel, von Abschlussprüfungen und Mädchen". Die Reihenfolge der albtraumhaften Ereignisse lässt tief in Olivers nicht vorhandenes Liebesleben blicken. Er hat nicht nur einen Hang zu hypochondrischer Übertreibung, sondern beschäftigt sich zwanghaft mit Multiple-Choice-Fragen und morbiden Fantasien. Die Gene seiner warmherzigen, gelassenen Mutter können an Olivers schräger Art nicht Schuld sein, ist es vielleicht eher das Erbe des Vaters Tate, genannt der Planungsfetischist? Seit Oliver "Die geheimen Tagebücher des Adrian Mole" als Schul-Lektüre lesen musste, ist er stark Adrian-Mole-geschädigt, und perfektioniert das Tagebuch-Schreiben als Mittel zur Manipulation fiktiver Leser. Als genialer Theoretiker in Sachen Sex manipuliert Oliver in perfekter Selbstinszenierung seine Eltern und natürlich die Leser, die sich ständig fragen, ob Oliver seine komplexen Lügengebäude etwa selbst glaubt. Als Graham, der obskure Träger "vegetarischer Sandalen", das Interesse von Olivers Mutter weckt, läuft Oliver zu detektivischer Hochform auf, um das drohende junge Glück unter seine Kontrolle zu bekommen. Nach einer Reihe tragikomischer Komplikationen schafft Oliver es dann endlich, sich um sein eigenes Liebesleben zu kümmern: er entdeckt, dass die rundliche Zoe "nicht ganz unattraktiv" ist.
Fazit
Dunthornes walisische Variante des Pubertätsromans zieht seine Leser in ein Wechselbad aus peinlichen und zum Schreien komischen Situationen, ehe man sich erleichtert zurück lehnen kann. Zum Glück passt auf jeden Topf auch ein Deckel... Einfach Klasse!
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 05. Oktober 2008

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