Ian Cameron Esslemont: Return of the Crimson Guard

Return of the Crimson Guard

Verlag: Bantam Books [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Fantasy
ISBN-13 978-0-593-05810-7

Preis: 3,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Januar 1970]
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"A Novel of the Malazan Empire" ist der Untertitel des anzuzeigenden Fantasyromans. Aufmerksame Leser werden nun vielleicht stutzig werden, weil der Name Steven Erikson nicht auftaucht, doch das hat alles seine Richtigkeit. "Return of the Crimson Guard" (RCG) ist der zweite Roman von Ian Esslemont, der sich vor Jahren zusammen mit Erikson die Welt von Malaz ausdachte und dann in Abstimmung mit Erikson an einer Reihe von Romanen arbeitete. Wie Erikson ist Esslemont von Beruf eigentlich Archäologe und veröffentlichte vor einigen Jahren "Night of Knives" (das Buch ist seit ein paar Monaten in einer preiswerten Taschenbuchauflage erhältlich), in der er die Ermordung des malazanischen Imperators Kellanveds und seines Gehilfen, des Assassinen Tanzer, schilderte. Es war recht gut lesbar, aber noch längst nicht vergleichbar mit Eriksons monumentalen Epos (wie man "A Tale of the Malazan Book of the Fallen", oder in Deutschland: "Das Spiel der Götter", durchaus zu Recht bezeichnen kann).

Englische Bücher, zumal aus dem Fantasy Genre, dem deutschen Leser vorzustellen, mag nicht immer auf Gegenliebe der Leser treffen. Da aber Esslemonts Werk wohl kaum in absehbarer Zeit ins Deutsche übersetzt werden wird, mag man dem Rezensenten dies verzeihen. Denn um es vorweg zu sagen: RCT ist ein lesenswertes und unterhaltsames Werk, wobei aber einiges Potential verspielt wurde und vieles auch dadurch gerettet wird, dass es in der bis dato wohl durchdachtesten Fantasywelt spielt.

Zeitlich spielt die Handlung etwa kurz nach den Ereignissen, die in The Bonehunters geschildert wurden. Das malazanische Imperium ist in Aufruhr geraten. Obwohl die Rebellion im Reich der Sieben Städte niedergeschlagen werden konnte, gärt es gewaltig. Im alten Herzland des Imperiums, auf Quon Tali, bereiten mehrere der unterworfenen Völker den Aufstand gegen die Imperatrix Laseen vor. Diese hat kaum noch die Ressourcen, um das Imperium zusammenzuhalten. Ihre wichtigste Waffe, die Geheimpolizei der Klauen, wurde faktisch zerschlagen. Das Militär hat erhebliche Verluste erlitten, nachdem nun auch noch die 14. Armee desertierte (siehe Reaper's Gale). Auch ihren Beratern, dem durchtriebenen Mallick Rel, der vor allem seine eigenen Ziele verfolgt, oder dem arroganten General Korbolo Dom, kann sie nicht vertrauen.

Ironischerweise sind die Erfolge der Separatisten nicht zuletzt ehemaligen malazanischen Offizieren zuzuschreiben: An der Spitze der sogenannten Talischen Liga, die nun die Unabhängigkeit vom Imperium erklärt, stehen vor allem Personen, die einst Imperator Kellanved gedient haben (und deshalb als "Old Guard" bezeichnet werden), von Laseen aber nur enttäuscht sind. Da ist etwa General Choss, der wie die meisten der alten Garde tot geglaubt war, nun aber das Militär Talis kommandiert. Oder Ameron, ein ehemaliger hoher Offizier der Kralle, des militärischen Arms der Geheimpolizei, die von Tanzer begründet worden war, von Laseen aber nach ihrem Putsch fast ausgelöscht wurde.

Als in Quon Tali überall Aufstände ausbrechen, scheint es fast so, als sei das Ende des Imperium gekommen. Doch nicht alle malazanischen Einheiten meutern. Packend beschreibt Esslemont, wie in der uralten Stadt Li Heng Truppen loyal bleiben und mehrere Angriffe abwehren - schließlich aber zu einer grausamen Waffe greifen, um die Aufständischen in Schach halten zu können. In der Wickan Ebene hält ein Trupp unter Leutnant Rillish aus und schützt einheimische Zivilisten vor der Wut malazanischer Siedler, die sich ihres Landes bemächtigen wollten. Interessant ist die Motivation der Loyalisten: sie halten oft weniger aus Loyalität zu Laseen aus, als vielmehr wegen der Idee des Imperiums, das immerhin den unterworfenen Völkern auch Recht und Ordnung gebracht und etwa Blutfehden beendet hat.

RCT handelt aber nicht nur von diesen Auseinandersetzungen. Im Fokus steht eben auch die Rückkehr der "Crimson Guard", einer Einheit, die bereits in früheren Bänden beiläufig erwähnt wurde. Es handelt sich weniger um Söldner, als vielmehr um eine verschworene militärische Einheit. Etwa 100 Jahre zuvor haben einige hundert Soldaten ihrem Herzog auf Quon Tali ewige Treue geschworen. Sie wollten nicht ruhen, bis die malazanischen Besatzer aus Quon Tali vertrieben waren. Der Eid gab den Beteiligten übermenschliche Fähigkeiten und langes Leben, doch nun ist die Garde über alle Kontinente verstreut, der Herzog ist ebenso verschollen. Als der Kommandeur Skinner alle Truppen der Garde aufruft, ihn nach Quon Tali zu begleiten, ahnt keiner, welche anderen Pläne Skinner verfolgt. Als es zur Schlacht zwischen der Garde und den Malazanern kommt, ist nichts so, wie es zunächst schien.
Fazit
RCT ist ein recht guter Fantasyroman, doch dürften vor allem Freunde von Erikson in den vollen Genuss kommen. Einsteigern in die Welt von Malaz ist eher abzuraten: zu viele Personen und Handlungsbögen werden beschrieben, so dass man erst eine gewisse Eingewöhnungsphase benötigen wird. Die Qualität der Handlung und der Stil ist im Vergleich zu "Night of Knives" deutlich angestiegen, aber Esslemont begeht m. E. den Fehler, zu viele Personen darzustellen und sie dann regelrecht zu "verbraten". Die Handlung um Ghelel etwa, der letzten Herzogin von Tali, mag interessant sein, wird aber recht lieblos abgespult. Auch Charaktere wie Ameron oder Choss hätten besseres verdient gehabt, Skinners Geschichte wird eher eingeführt (Erikson wird sich ihm wohl bald widmen...) als wirklich genutzt.

Esslemont kommt nicht an Erikson heran, aber es ist wohl auch falsch, beide direkt zu vergleichen, wenn ihre Handlungen auch in der gleichen Welt spielen. Für sich genommen ist RCT wie gesagt lesenswert, die Handlung ist teils überaus interessant. Und allein die Tatsache, dass RCT die Handlung im malazanischen Imperium wieder aufnimmt, macht das Buch für Malazan-Fans zu einem Pflichtkauf. Alle anderen sollten es in einer gut sortierten Bücherei anlesen und sich dann entscheiden.
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 30. September 2008

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