Jon McGregor: So oder so

So oder so

Verlag: Klett-Cotta Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-608-93767-1

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
David Carter wusste als Kind schon ganz genau, dass er einmal ein eigenes Museum haben wollte. Bei einem Jungen, der Fundstücke aller Art in Kartons und Schachteln unter seinem Bett hortet, wundert das niemanden. Als John längst erwachsen und tatsächlich auf dem Weg ist, sich seinen Traum von der Arbeit im Museum zu erfüllen, erfährt er durch Zufall, dass seine Eltern nicht seine leiblichen Eltern sind. Tante Julia, die das Familiengeheimnis verraten hat, ist zu diesem Zeitpunkt schon so betagt, dass von ihr keine weiteren Informationen zu erwarten sind. Die wenigen Worte, mit denen Tante Julia und Davids Mutter Dorothy die Geschichte des Babys David beschreiben, wendet er immer wieder hin und her und kann doch nicht mehr über seine Herkunft erfahren. All seine sorgsam gehüteten Erinnerungsstücke, Fotos, Briefe und Fahrkarten können David keine Auskunft über seine Herkunft und das Schicksal seiner Mutter geben. Davids besessene Suche nach einer jungen Irin namens Mary, die unter deprimierenden Umständen 1945 ein Kind zur Welt brachte, bringt schließlich die Ehe mit seiner Frau Eleanor und seine berufliche Karriere in Gefahr.

John McGregor gibt jedem Kapitel als Überschrift die Bezeichnung eines Artefakts (Modell eines Fischerboots, 1905), das aus einer Museumsvitrine stammen könnte. Episoden und Erinnerungen verknüpft er zum kunstvollen Netz der Familiengeschichte Davids und Eleanors. Die Episoden reichen bis zum Ersten Weltkrieg zurück; der Bezug zwischen Artefakt, Davids Erinnerungen und dem Roman-Text lässt sich oft erst auf den zweiten Blick entschlüsseln. Allmählich erkennt der Leser, dass es in diesem Roman nicht nur um David geht, dessen Seite des Familienstammbaums unausgefüllt bleiben wird. Davids Schicksal ist mit teils verdrängten Erinnerungen an die unglückliche Kindheit seiner Frau Eleanor verknüpft, für die er sich bisher auffällig wenig interessiert hat.
Fazit
Jon McGregor erzählt feinfühlig und zurückhaltend, zu welch traumatischen Folgen es führen kann, wenn einem Kind die Geschichte seiner Herkunft verheimlicht wird. McGregor setzt sein Kaleidoskop der Erinnerungen so geschickt zusammen, dass man die geschilderten Ereignisse für authentisch halten könnte
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 15. September 2008

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