Lachsfischen im Jemen? Welch absurde Idee! Scheich Muhammad ibn Zaidi bani
Tihama hat einen Besitz in Schottland erworben und dort seine Begeisterung für
das Fliegenfischen entdeckt. Der Fischereiexperte Alfred Jones soll nun im
Auftrag des wohlhabenden Scheichs das Projekt "Lachszucht im Jemen"
betreuen. Ein absurdes Projekt, mit dem Alfred berühmt werden oder sich
endgültig als Wissenschaftler lächerlich machen kann. Ablehnen geht nicht,
stellt Alfreds Frau Mary fest; denn Alfreds vergleichsweise bescheidenes
Einkommen ist fest ins Familienbudget eingeplant. Der großzügige Scheich
verspricht sich von seiner Idee eine positive Wirkung auf das Ansehen arabischer
Staaten, ja der gesamten islamischen Welt, und anhaltenden Wohlstand für den
Jemen durch Einkünfte aus dem zukünftigen Tourismus.
Ob die Idee realisierbar ist, interessiert in England inzwischen niemanden mehr, das Lachs-Projekt ist längst zum Selbstläufer im Wahlkampf des (fiktiven) britischen Premierministers Jay Vent geworden. Vents persönlicher Adlatus versteigt sich zu der Vorstellung, sein "Chef" müsse unbedingt dabei fotografiert werden, wie er im Jemen den ersten Lachs fängt. Schließlich bilden Angler und Fischer einen nicht unerheblichen Teil der britischen Wähler. Auch eine absurde Maßnahme wie "Lachsfischen im Wadi" lässt sich doch sicher als Förderung der britischen Angelruten- und Anglerbekleidungs-Hersteller verkaufen. Während Alfred das Projekt sorgfältig in Einzelschritte zerlegt, gerät seine auf eine e-mail-Beziehung reduzierte Ehe zu Mary in die Krise. Mary ist Bankerin, hat gerade eine Stelle in Genf angetreten und zeigt sich sehr forsch in den Anforderungen an ihren verträumten Wissenschaftler-Gatten. Der charismatische Scheich öffnet Alfred inzwischen Zugang zu einer völlig neuen Welt und auch die Begegnung mit der Immobilien-Maklerin Harriet bleibt nicht wirkungslos. Alfred stellt fest, dass nicht nur er in einer Fernbeziehung lebt. Harriet leidet darunter, dass ihr Verlobter auf einer geheimen Mission im Irak verschwunden ist und sich keine Behörde dafür zuständig fühlt, den Angehörigen Auskünfte über sein Schicksal zu geben. Schließlich kommt es vor den Augen der Welt-Presse zum entscheidenden Fliegenwurf des britischen Premiers. Fazit
Paul Torday hat Mails, Tagebucheinträge und Zeugenaussagen flüssig zu einem
heiter-melancholischen Roman zusammengefügt. Der weltfremde Alfred und seine
Kollegin Harriet wirken ausgesprochen sympathisch, der väterliche Scheich
Muhammad wie eine Figur aus 1001er Nacht. Bürokraten, Wendehälse und
Karrieristen aller Art bekommen bei Torday in sehr britischem Stil ihr Fett weg.
Der Autor schreckt weder davor zurück, mit seinem Lachs-Projekt absurde
Prestigeprojekte westlicher Staaten zu karikieren, noch über die britische
Armee, die Schotten, al-Kaida oder Beziehungen vom Typ
"Double-Income-no-Kids" zu lästern.
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