Ines Thorn: Galgentochter

Galgentochter

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: historischer Roman
ISBN-13 978-3-499-24603-6

Preis: 8,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 27. September 2016]
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Der vorliegende Roman spielt im Jahre 1532. Landgraf Philipp I. von Hessen ist dabei, den Schmalkaldschen Bund gegen die Katholische Liga zu gründen. Philipp versucht, auch die Messestadt Frankfurt für diesen Bund zu gewinnen. Diese aber fürchtet, das Wohlwollen des Kaisers Karl V. und seines Reichskanzlers, des Erzbischofs von Mainz, zu verlieren damit den Verlust ihrer Privilegien als Messestadt, die dafür Mainz übernehmen könnte.

In dieser Situation wird eine Wanderhure tot auf dem Galgenberg der Stadt - in Frankfurt-Sachsenhausen - aufgefunden. Über ihr - direkt unter dem Galgen - hängt ein toter Hund.

Der städtische Richter, Heinz Blettner, tippt auf Freitod. Seine junge Frau Hella - assistiert von ihrer Mutter Gusteldis - sieht dies anders und vermutet Mord. Kurz darauf wird am selben Ort - unter gleichen Umständen - der städtische Gewandschneider Voss tot aufgefunden. Außerdem sterben ein lutherischer Pfarrer und der Sohn eines reichen Patriziers auf die gleiche Art und Weise. Blettner steht unter Druck: will er die direkte Intervention des Landgrafen - der Unterlagen über die Stadt durch Spione in seine Hand bekommen möchte - verhindern, muß er die mysteriösen Todesfälle aufklären.

Parallel zu dieser Geschichte wird das Schicksal einer jungen Hure erzählt; diese wächst im Frankfurter Hurenhaus auf und erlebt hautnah dieses Milieu mit. Eines Tages beschließt die Hurenmeisterin, die Mutter der jungen Hure aus dem Haus zu weisen, da sie zu alt und zu nichts mehr zu gebrauchen sei. Nur, wenn sich die Tochter einem Kunden, der für sie bezahle, sexuell hingäbe, könnten beide im Hurenhaus bleiben. Doch die Tochter verweigert sich dem gut situierten und zahlenden Kunden und läuft weg, die Mutter wird aus dem Hurenhaus geworfen. Damit nimmt die Tragödie ihren Lauf...

Sehr bald weiß man, wer der Täter ist und aus welchen Motiven heraus er mordet. Während das Schicksal des jungen Mädchens durchaus an Romane von Charles Dickens erinnert und Anteilnahme erweckt, wirkt die Parallelhandlung, die der Aufklärung des Verbrechens dient und im Haus des Richters Blettner und seiner Familie spielt, recht langatmig und für mich kommt da lange Zeit keinerlei Spannung auf. Außerdem ist die Sprache voll mit widerlichen Ausdrücken (gefickt etc.) und die Charaktere sind - mit Ausnahme des Mädchens - recht eindimensional gezeichnet, etwa der Pfarrer, der eindimensional böse erscheint, der junge Patrizierssohn, der ebenfalls als Charakter zu platt eindimensional böse dargestellt scheint. Eine Hebamme, die im Roman eine wichtige Rolle spielt und dem jungen Mädchen Unterkunft und Wohnung anbietet, scheint ebenfalls zu blass gezeichnet. Bemerkt sie denn nicht, was ihr Schützling treibt? Oder billigt sie das Tun des Mädchens im Geheimen?

Fragen über Fragen.

Was mich am meisten an dem Buch enttäuscht hat, ist jedoch nicht die oberflächliche Handlung, sondern, dass - außer kurzen Anmerkungen zum Schmalkaldschen Bund (dessen Funktion nirgends richtig erklärt wird) und zu Philipp I., der selber nicht in dem Roman vorkommt - das Mittelalter in dem Werk lediglich als austauschbare Staffage erscheint - zumindest ging es mir so. Sinn eines historischen Romans ist es doch, die Zeit, in der er spielt, "lebendig" werden zu lassen. Und dies gelingt Ines Thorn leider überhaupt nicht. Das - in Details übermäßig grausame Buch - zieht sich schleppend dahin, auch wenn konzediert werden muß, dass die Grausamkeit selber nicht aus voyeuristischen Gründen im Roman eine Rolle spielt, sondern, um die Atmosphäre im Hurenhaus und die Motive für die späteren Morde zu verdeutlichen (auch dies gelingt nicht immer: warum die Wanderhure ermordet wird und die Tochter es nicht bei einer Aussprache mit der Mutter, die ja auch Leidende ist, beläßt, wird überhaupt nicht aus der Handlung ersichtlich). Die Sprache wirkt teilweilse durchaus trivial und so ist das Buch - wie ein Rezensent m.E. zu recht konstatiert hat - Massenware - mehr leider nicht.
Fazit
Fazit: Schade, hier wurde eine Chance vertan. Meines Erachtens ist das Buch nicht weiterzuempfehlen und auch in keinster Weise spannend, wenn auch das Schicksal der jungen Hure selber durchaus zum Nachdenken anregt. Und - wie oben gesagt: das Mittelalter wirkt hier lediglich als (austauschbare) Staffage, der Roman hätte auch in jeder anderen Zeit spielen können.
2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 22. August 2008

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