Ismael Leseur zu heißen, ist für einen 14-Jährigen Australier schon die größte
anzunehmende Peinlichkeit. Noch peinlicher empfindet es Ismael, dass sein Vater
jedem Interessierten und weniger Interessierten auf die Nase bindet, warum er
seinen Sohn nach der Figur aus Melvilles Moby Dick taufte. Der Beginn des 9.
Schuljahres wächst sich für Ismael wegen seines ungewöhnlichen Namens zum
schlimmsten Spießrutenlauf seiner Schulzeit aus. Einziger Lichtblick ist Ismaels
temperamentvolle Englisch-Lehrerin Miss Tarango, die Ismaels schlimmstem
Peiniger gleich in der ersten Stunde den Kopf zurecht setzt. Sie demonstriert
die Macht der Sprache am lebenden Objekt - und lässt Barry Bagsley vor der
Klasse wie einen Idioten dastehen. Ohne es zu ahnen, hat Miss Tarango in dieser
Stunde die dauerhafte, erbitterte Feindschaft zwischen Ismael und Barry
zementiert. Doch dann kommt James Scobie neu in die Klasse, ein winziger Typ,
der aussieht, als käme er direkt aus Tolkiens Mittelerde. Scobie besteht auf
akribische Ordnung in der Schultasche - und er redet nicht, er quasselt. Scobie
hat keine Angst, Scobie wird zum Kult in der Klasse - und Scobie sorgt dafür,
dass die St. Daniels-Schule endlich am Debattier-Wettstreit der Schulen
teilnimmt. Bisher ist der neue Schüler der einzige, der sich darüber klar ist,
dass Debattieren ein Mannschaftssport ist und es dabei auf Team-Arbeit ankommt.
Bei der Vorbereitung auf den Wettbewerb macht Scobie die Schule zum Kampfplatz
des Intellekts. Ismael hält sich zwar für eine rhetorische Niete und sieht
seine Talente eher in logistischer Unterstützung seiner Klasse, doch Scobie
macht auch Ismael zum Redner. Ismael und Scobie haben eins nicht bedacht: Am
Debattier-Wettstreit nehmen auch Mädchen-Schulen teil!
Fazit
"Nennt mich nicht Ismael" fesselt mit schlagfertigen Dialogen,
ausgesuchter Ironie und mit der überraschenden Umkehrung der Hackordnung in
Ismaels Klasse. Michael Gerard Bauer hält sein Erzähltempo und das hohe Niveau
seiner rhetorischen Scharmützel konsequent bis zum Ende der Geschichte durch.
Für Humor, Spritzigkeit und die Wärme, mit der der australische Autor seine
Figuren darstellt, hat er alle denkbaren Sterne und Auszeichnungen verdient!
Hoffen wir, dass Scobies und Ismaels peinliche und schreckliche Erlebnisse
deutsche Leser ebenso wie australische fesseln.
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