Christian Y. Schmidt: Allein unter 1,3 Milliarden. Eine chinesische Reise von Shanghai bis Kathmandu

Allein unter 1,3 Milliarden. Eine chinesische Reise von Shanghai bis Kathmandu

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-87134-602-6

Preis: 2,47 Euro bei Amazon.de [Stand: 06. Dezember 2016]
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Als Maos Rotgardisten in den 60ern in China Lehrer und alles "Alte" kritisierten und verfolgten, hielt sich im fernen Deutschland der junge Christian Schmidt für einen überzeugten Maoisten; denn Lehrer kritisieren hörte sich doch gut an. Inzwischen ist Schmidt mit einer Chinesin verheiratet und lebt in Peking. Gerade weil er etwas Chinesisch spricht, hatte den Jourmalisten das Leben in Pekings Ausländer-Gemeinde zunehmend genervt. Schmidt will endlich allein das China ohne Ausländer kennen und klären, ob er inzwischen vielleicht selbst zum Chinesen geworden war. Er macht sich von Shanghai aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg entlang der Nationalstrasse 318, genannt Feng Gu, der Windknochen. Nebenbei will Schmidt der Frage nachgehen, warum Chinesen auf ihn stetst so gelassen wirken. Ein mutiger Entschluss für jemanden, der sich bisher immer auf die Übersetzungs- und Organisationstalente seiner Frau verlassen konnte. Chabuduo, passt schon irgendwie, unter diesem Motto reist der Autor Richtung Westen und erreicht schließlich nach über 5000 Kilometern Kathmandu.

Wer Chinesisch versteht, aber nicht lesen kann, muss sich auf die tatkräftige Hilfe Einheimischer verlassen, um die Bus-Bahnhöfe chinesischer Großstädte zu finden, um zu erfahren, ob überhaupt ein Bus in die gewünschte Richtung fährt - und auf welchen verschlungenen Wegen die Tickets erhältlich sind. Wer schon selbst erfahren hat, dass man in China besser niemanden nach dem Weg fragen sollte, kann sich vorstellen, dass Schmidt seine Ziele nicht immer auf dem direkten Weg erreichte. Der Autor besucht Jiu Hua Shan, einen der vier heiligen Berge Chinas, sieht den Jangtse wie ein Meer vor sich liegen und erreicht schließlich Anqing, den Schauplatz der Tai-Ping-Rebellion. In Anqing lernt Schmidt das Prinzip Taxifahrer: Auch wenn nach Meinung des fremden Besuchers mit Hilfe eines chinesischen Stadtplans zweifelsfrei geklärt ist, wohin der Kunde möchte, haben chinesische Taxifahrer oft sehr eigenwillige Vorstellungen davon, was in ihrer Stadt sehenswert ist. A propos Stadtplan: eine chinesische Kleinstadt kann einige Millionen Einwohner haben und die Stadt Wuhan bringt locker 10 Millionen Einwohner zusammen. Als allein reisender Mann ist Schmidt willkommenes Objekt chinesischer Neugierde, Opfer von Schleppern und Abzockern und muss beurteilen lernen, ob Massage-Salons tatsächlich für Massage-Salons zu halten sind oder nicht.

Die Region des Drei-Schluchten-Staudamms verlässt der Autor desillusioniert an Bord eines Fährschiffes, um seinen Traum vom Besuch Tibets zu verwirklichen. Obwohl sich für ihn als Inhaber eines chinesischen Führerscheins im Laufe der Reise manche Türen leichter öffnen als für andere Ausländer, muss Schmidt für Tibet den Dienstweg einhalten. Tibet nur mit Führer, Chauffeur und Permit, alles zum Preis des Jahreslohns eines chinesischen Bauern. Trotzdem bleibt bis zum letzten Moment unklar, ob Chin Ke Li Se (Schmidt Christian) im kritischen Jahr 2007 überhaut eine Reise-Genehmigung für Tibet erhalten wird. Nach einigen sehr chinesischen Komplikationen erreicht Schmidt schließlich nicht nur Tibet, sondern auch Nepal, dem er sich besonders verbunden fühlt, weil hier die letzten Maoisten etwas zu sagen haben. Nach 90 Tagen quer durch China fühlt Müller sich in Nepal ganz besonders chinesisch.
Fazit
Christian Schmidt war bis 1996 für die China-Kolumne der Zeitschrift Titanic als sinophile Spottdrossel tätig und arbeitet inzwischen in Peking als freier Autor. In gewohnt spöttischem Ton, nüchtern und selbstkritisch berichtet der Autor über seine Selbstfindung als Einzelreisender in China.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 16. Juli 2008

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