Leander Kish sucht das Unglück: "Ich will dieses Glück nicht. Als ich vor
ein paar Wochen hier zu arbeiten begann, stand für mich fest: Wenn du das
Unglück, das du ein Leben lang gesucht hast, jemals finden wirst, dann hier in
der Nacht." Die Hauptfigur von "Glücksgeschwür", die immer Glück
hatte, wird deshalb Nachtwächter. In seinen allnächtlichen Schichten
philosophiert er mit seinen Kollegen über Mensch und Natur und tippt seine
Notizen aus vergangenen Zeiten ab. In Rückblenden erzählt er von seinem Leben
als Pornodarsteller und seinen Versuchen, seine innere Leere mit Sex zu füllen.
Allerdings führt Leander den Sex ad absurdum - von der reinen Trieberfüllung
erhofft er sich keine Erfüllung, es ist die Loslösung des Triebes von seinem
natürlichem Zweck, die ihn frei machen soll: "Ich habe die Natur immer
gehasst. Wenn wir natürlich handeln, handeln ja nicht wir, es handelt dann die
Natur durch uns. Dass wir dabei unseren Spaß haben, ist ein schwacher Trost. Das
ist das Gefühl postkoitaler Depression: die Enttäuschung des Kopfes darüber, wie
leicht dieser dumme Leib doch ruhigzustellen ist." Konsequenterweise ist
Liebe für Leander auch nur ein "Marketingtrick der Natur". Und so
versucht er, seinen Körper auszutricksen und reflektiert nebenbei über die
Pornographisierung der Gesellschaft, die "dekadenten" westlichen Werte
und das Diktat des Kapitalismus. In einer Gesellschaft, die sich über Konsum
definiert, verkommt auch der Mensch zum Produkt: "Ich kaufe, also bin ich.
Ich bin käuflich also bin ich. Das Leben als Schnäppchenjagd."
Fazit
Nach einigen Anlaufschwierigkeiten ist das Buch sehr spannend zu lesen, wenn
auch weniger detaillierte Beschreibungen der Pornoszenen mir lieber gewesen
wären.
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