Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora

Die Lügen des Locke Lamora

Verlag: Wilhelm Heyne Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Fantasy
ISBN-13 978-3-453-53091-1

Preis: 14,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 25. September 2016]
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Wie heisst es doch so schön am Ende des Buches, lesen sie weiter in Sturm über roten Wassern. Das kann ich genau so weiterempfehlen. Wir sollten jedoch erst einmal einen Blick auf dieses Buch werfen, der in der internationalen Presse ziemlich hochgejubelt wird. Ob nun The Times, Publisher’s Weekly oder Richard Morgan auf dem Klappentext zitiert werden, lässt mich erst einmal kalt. Viel zu oft bin ich auf solche Texte hereingefallen, meine Erwartungen zu hoch geschraubt und zu tief enttäuscht worden. Anders sieht es mit diesem Buch aus. Die Handlung hat noch nicht richtig begonnen und schon ist man, nicht unbedingt hin und her gerissen, aber doch schon neugierig genug, um das Buch nicht wieder aus das Hand zu legen. Das setzt sich so weit fort, um es nicht nur langsamer und genüsslicher zu lesen, sondern die ganze Nacht durchzulesen, bis es ausgelesen ist. Ich hatte am nächsten Tag jedenfalls frei und konnte dann im Bett bleiben. Das Buch ist die richtige Mischung aus einer abenteuerlichen Erzählung und eine leicht dahin geschriebenen, fast im Plauderton gehaltenen Geschichte. Scott Lynch nimmt uns auf seiner erzählerischen Reise mit in einen fremden Stadtstaat, der in der Beschreibung Ähnlichkeiten mit dem italienischen Venedig aufweist. Also begleiten wir erst einmal den Lehrherrn de Diebe, wie er mit Lamora an der Hand den Tempel des Perelandro aufsucht. Er will Chain, dem Priester ohne Augen den Jungen verkaufen, oder aber die Kehle aufschneiden. Da das Buch hier noch nicht zu Ende ist, hat ihn der Priester gekauft und ihn nach seinen Bedürfnissen ausgebildet. Das einzige was mich auf den ersten Seiten ein wenig irritierte war das Jahr. Zuerst sind wir im 77sten Jahr von Sendovani, dann im Rückblick, zwei Jahre früher, aber im 77sten Jahr von Gandolo. Wie auch immer. Ich liess mich davon nicht aus dem Lesefluss drängen, nahm es hin und las weiter. Beschreibungen über den Stadtstaat, die soziale Umgebung und die Kultur fliessen locker leicht in die Erzählung ein. Spätestens nach den ersten zwanzig Seiten, gehört man in die Stadt und alles was jetzt noch folgt, gehört so. Ebenso wie der Hinweis, die Stadt sei vom verschwundenen Volk der Elderglas erbaut worden, mit seltsamen, phantastischen Örtlichkeiten und fantasievollen Plätzen und Strassen. Seine Rückblicke, eingeflochten in die laufende Handlung, bringt Scott Lynch in die Lage, unseren Helden besser zu verstehen. Eine imaginäre Kindheit, die damit beginnt, dass er sich dem Lehrherrn der Diebe anschliesst, bis hin zu seiner jetzigen Tätigkeit als eine Art Robin Hood, machen Locke Lamora zu einem sympathischen Helden. So erstaunt es uns dann auch nicht, wenn unser Held selbst zum Opfer wird. Camorr ist eine Stadt, die von machthungrigen Adligen, denen regelmässig das Geld auszugehen scheint und daher etwas korrupt sind, sowie von einer Gemeinschaft kontrolliert, die an organisiertes Verbrechen erinnert, Mafia oder Camorra zum Beispiel. Zwischen Adligen und Verbrechern gibt es ein Stillhalteabkommen. Frei nach dem Motto, ihr beklaut uns nicht, so werfen wir euch nicht in den Kerker. Aber die anderen dürft ihr bei Eigentumstransaktionen ungefragt übergehen. Das wäre alles in Ordnung. Da gibt es allerdings zwei kleine Störenfriede. Einer ist unser Held in Camorr, Locke Lamora. Mit seiner Gruppe der Gentleman-Ganoven erleichtert er die eingebildeten Adligen um tragbares Eigentum, vornehmlich Geld, Gold und Edelsteine. Mit den geschickt eingeführten Betrügereien ziehen sie die habgierigen Adligen gekonnt über den Tisch. Sie bemühen sich dabei, die Adligen so hereinzulegen, dass diese gar nicht merken, wie sie sich selbst übers Ohr hauen. Diese Falle stellen sie Herrn und Frau Salvara. Locke gibt sich als Vertreter des Handelshauses bel Auster aus, der vor einem drohenden Krieg sine Branntweinvorräte in Sicherheit bringen will, bevor er sich auf die Flucht begibt. Wie nicht anders zu erwarten strecken die Opfer ihm das Geld zur Flucht vor, bleibt doch der Branntwein in ihrer Obhut, so glauben sie. Bei Geschäften sollte man den Glauben im Tempel lassen, sonst geht alles in die Hose. Der nächste Störenfried ist ein selbsternannter Emporkömmling, der sich der Graue König nennt. Innerhalb der Verbrecherorganisation räumt er einen Gegner nach dem anderen aus dem Weg, um die Macht des Verbrechersyndikats selbst zu übernehmen. Die Mittel die er einsetzt, sind ihm egal. Selbst Locke ist ihm ein Dorn im Auge und daher setzt er seinen zauberkundigen Komplizen auf ihn an. Die kleine Bande von Locke wird bis auf Jean und in ausgelöscht. Nach dem Motto, wenn ich mich mit einem meiner Feinde verbünde, kann ich den anderen Feind besiegen, wendet sich Locke an die örtlichen Verbrechensverfolger.
Fazit
Scott Lynch, der in seinem Leben bereits Tellerwäscher, Kellner Web-Designer und alles mögliche andere war, schafft mit seinem Erstlingswerk eine phantastische Welt mit sympathischen Helden. Von allen Personen, die in diesem Buch auftauchen ist Locke Lamora natürlich derjenige, der den Leser als Identifikation am nächsten steht. Seine lockere und unbekümmerte Art, wie er das Leben und Leben lassen angeht, erfreut sofort. Es gibt Abenteuer, Kriminelle und Magie, dafür keine der üblichen Verdächtigen wie Elfen, Zwerge und so weiter. Lassen wir uns von den folgenden Büchern überraschen.
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Vorgeschlagen von erik schreiber [Profil]
veröffentlicht am 19. Juni 2008

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