Johannes Heinrichs: Sprache Band 1: Die Zeichendimension. Das elementare Spiel der Zeichengestalten (Philosophische Semiotik Teil II)

Sprache Band 1: Die Zeichendimension. Das elementare Spiel der Zeichengestalten (Philosophische Semiotik Teil II)

Verlag: Steno-Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Philosophie
ISBN-13 978-9544493455

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Johannes Heinrichs, Sozialphilosoph, ist bekannt geworden mit seiner politischen Philosophie, wonach sich die Vierstufung für soziale Organismen in der sich selbst wissenden Gemeinschaft auf jeder Ebene institutionell im politischen System zu verwirklichen habe: "Die Reflexionsstufen (...) prägen sich im modernen Staat als die Subsysteme (1) Wirtschaft, (2) Politik, (3) Kultur und (4) Grundwertesystem aus." (Johannes Heinrichs, Revolution der Demokratie, 2003, S. 118) Heinrichs fordert die institutionelle Berücksichtigung dieser Subsysteme. Dazu gehört die subsystemische Differenzierung der Attribute von Konsum und Handel (Wirtschaft), von Recht und Freiheit (Politik), von Sprache, Gemeinschaftlichkeit und Überlieferung (Kultur) und von transzendentem Wertfundament (Grundwerte).

Für eine entsprechende Reform im Politischen im Sinne der vier Ebenen des sozialen Organismus hat seine Viergliederung der legislativen Institutionen im Zuge der unabhängig voneinander gewählten Fachparlamente für jede Systemebene große Beachtung gefunden. Die Legislative wird gegliedert in prinzipiengeleitete Parlamente auf der Basis naturwüchsigen gesellschaftlichen Lebens. Dazu gehört 1. ein Wirtschaftsparlament, 2. ein politisches Parlament, 3. ein Kulturparlament und 4. ein Grundwerteparlament. Sprache gilt als ausdrückliche Aufgabe des Kulturparlaments, welches hauptsächliche Pflege und Bewahrung derselben zur Aufgabe hat. Mit dem vorliegenden Buch hat Heinrichs die Dimension der Sprache nochmals vertieft und in einem eigenen Buch philosophisch differenziert und sehr ausgiebig betrachtet.

Es war ein bedeutender Schritt, als Ch. W. Morris 1938 drei semiotische Dimensionen an der Sprache unterschied. Noch ist jedoch längst nicht von allen Linguisten, besonders Computerlinguisten begriffen worden, daß es aufeinander unrückführbare Dimensionen der Sprache gibt. Allerdings genügt das üblich gewordene, treue und gläubige Tradieren von Morris bei weitem nicht: Seine semiotischen Dimensionen sind bezüglich Reihenfolge, Zahl und vor allem in ihrer Definition gründlich zu revidieren. Besonders der Begriff der "Pragmatik" leidet unter schwersten, folgenreichen Unklarheiten. Denn in ihm wird - ziemlich paradox für ein semiotisches Herangehen
an Sprache als Zeichensystem! - ausgerechnet die grundlegende Zeichendimension vernebelt. Von einem spezifisch semiotischen Sprachbegriff ganz zu schweigen.

Der Sozialphilosoph, der sich hier auch als vorzüglicher Semiotiker erweist, nennt die Zeichendimension (in Anschluss an G. Klaus) "Sigmatik". Sie steht in diesem ersten Band im Vordergrund - mit Themen, die sonst gar nicht üblich sind: Wahrnehmbarkeit und Bedeutungsprägung der sprachlichen "Lautgestik", ihre ursprüngliche Handlungseinbettung (um die Wittgenstein rang) und ihr dynamischer Systemcharakter, der sich in den "Kugelblitzen" der Schlagwörter und geflügelten Wörter zeigt.

Das gesamte Sprach-Werk wird die vier semiotischen Dimensionen der Sprache in ihrer reflexionslogischen Reihenfolge und Vollständigkeit abhandeln: 1. die Zeichendimension (Sigmatik), 2. die Bedeutungsdimension (Semantik), 3. die Handlungsdimension (Pragmatik) sowie 4. die Verbindungsdimension der Zeichen (Syntaktik, die u.a. Satzbau und Stilistik umfasst). International neuartig ist allein schon das Basieren dieser Sprachabhandlung auf einer vorweg ausgearbeiteten Handlungstheorie (= Teil I dieser philosophischen Semiotik). Sprache als ganze wird konsequent als ein Meta-Handeln analysiert. Die große Wette, zu welcher der Philosoph herausfordert, lautet: Sprache ist nicht bloß eine Angelegenheit angeblich "rein empirischer" Linguistiken des Jagens und Sammelns. Ihr liegt eine menschheitsverbindende Logik zugrunde, die in Zeiten der Globalisierung endlich wieder ernsthaft zum Thema werden muß.

Mit seiner in vielen Themenbereichen fruchtbar gemachten Reflexionslogik, die wir schon aus dem Bereich des Politischen kennen, will Heinrichs den unheilvoll gewordenen Graben zwischen heillos zersplitterten Sprachwissenschaften und Philosophie mit wohl begründeten Einsichten überbrücken. Um dem so bequemen Vorwurf zu entgehen, er berücksichtige nicht "alle Sprachen der Welt", kooperiert er mit einem ausgewiesenen Kenner der ostasiatischen Sprachen, Hans-Jürgen Zaborowski (Frankfurt, Berlin, Seoul).

Vorgeschlagen von Daniel Bigalke [Profil]
veröffentlicht am 07. Juni 2008

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