Donna Leon: Endstation Venedig. Commissario Brunettis zweiter Fall.

Endstation Venedig. Commissario Brunettis zweiter Fall.

Verlag: Steinbach Sprechende Bücher [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Hörbuch
ISBN-13 978-3-88698-626-2

Preis: 16,44 Euro bei Amazon.de [Stand: 10. Dezember 2016]
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"Endstation Venedig" ist Donna Leons zweiter Roman mit ihrem venezianischen Commissario Guido Brunetti.
Am Anfang schwimmt ein toter Amerikanischer Soldat in einem der verschmutzten Känäle von Venedig. Seine Ermittlungen führen ihn zum Militärstützpunkt von Vincenza, woraufhin es dann eine zweite Leiche gibt, ein weiblicher Offizier und enger Mitarbeiter des ersten Toten. Alles sieht nach Selbstmord aus, aber nicht für Brunetti. Dann wäre da noch ein Einbruch in einem Palazzo eines sehr einflußreichen Italieners (Diebstahl dreier wertvoller Bilder) und einen bekannten Kleinkriminellen, der wohl in die Sache verwickelt zu sein scheint. Die Ermittlungen führen in immer höhere Regionen und die Motive für die Morde liegen in der Giftmüllentsorgung. Die Schuldigen lassen sich sowohl in Regierung, Militär und Mafia suchen - aber auch in Brunettis Familie.
Donna Leon wird viel gelobt, und dementsprechend viel hatte ich von diesem Buch erhofft. Meine Erwartungen wurden jedoch nur bedingt erfüllt. Die Geschichte legt mit viel Spannung los und packt den Hörer vom ersten Satz an, aber leider halten die folgenden Kapitel nicht, was das erste verspricht. Man begleitet Commissario Brunetti bei seinen Ermittlungsarbeiten durch ganz Venedig, was sich mitunter recht langatmig gestaltet: Brunetti bestellt ein Wassertaxi, Brunetti steigt ins Boot und fährt durch den Canale Grande, Brunetti steigt vor einem wichtigen Gebäude aus, Brunetti spaziert auf die Eingangstür zu, Brunetti trinkt (so rund zwanzig Mal) einen Kaffee in einer Bar... das macht die Geschichte anschaulich, aber leider geht die Spannung dabei flöten. Und trotz der ausführlichen Beschreibungen aller Familienepisoden, Gedanken und Aktivitäten des Commissario wirkt dieser auf mich nicht annähernd so sympathisch, charismatisch... wie angepriesen, sondern eher schlechtgelaunt, pessimistisch und brummelig. Gegen Deborah Crombies Superintendent Kincaid zum Beispiel oder Kate Ross Hobbydetektiv Julian Kestrel erscheint Brunetti als eine recht blasse Figur. Umso strahlender wird seine Frau Paola präsentiert: Schick, fröhlich, charmant, als liebevolle Mutter und Ehefrau und großartige Köchin ist sie fast schon zu perfekt geraten.
Beim Hören gewann ich mehr und mehr den Eindruck, daß Donna Leon durch die lebhaften Familienszenen die eher mäßige Krimihandlung kompensieren wollte. Die Krimigeschichte an sich ist lau, überraschende Wendungen sind äußerst rar gesät, und Hochspannungsmomente überhaupt nicht zu finden. Und über das Ende habe ich mich maßlos geärgert! Gerade deutete sich an, daß hinter der Wasserleiche und weiteren kriminellen Machenschaften mächtigere Drahtzieher stecken, da war das Stück auch schon zu Ende. Ich dachte "Ja - und jetzt? Wie geht es mit diesem Fall weiter? Das war doch wohl nicht alles???", aber Donna Leon bleibt die Antwort schuldig. Diese Moral von der Geschicht´ - die höheren Tiere sind korrupt, und gegen die großen Fische kann man sowieso nichts ausrichten - finde ich sehr einseitig und für einen Krimi unpassend. Daß ich "Endstation Venedig" trotz all dem nicht völlig schlecht fand, liegt an der lebendigen Darstellung von Bella Venezia und seinen Einwohnern, sowie an der Hörbuchumsetzung, die sehr gelungen ist. Das Stück hat eine angenehme Atmosphäre, man hört förmlich die kreischenden Taubenschwärme durch die Gassen fliegen und das Wasser in den Grotten plätschern.
Fazit
So bleibt unterm Strich sogar ein eher positiver Eindruck zurück. Dennoch: Meiner Meinung nach würden Donna Leon eher Familiengeschichten und Gesellschaftsportraits liegen als Kriminalromane. Von letzteren erwarte ich Spannung und Gänsehaut, und dies kommt hier deutlich zu kurz...
Um Donna Leon, oder speziell Brunetti, aber eine zweite Chance zu geben, werde ich ein weiteres Stück mir zur Gemüte führen. Die Auswahl gibt es jedenfalls und damit die Chance, dieses für mich erste Vergnügen als "Ausreißer" Leons zu identifizieren.
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Vorgeschlagen von Peter Bahner [Profil]
veröffentlicht am 26. März 2003

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