Klaus-Peter Walter: Reclams Krimi-Lexikon

Reclams Krimi-Lexikon

Verlag: Reclam Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-15-010509-2

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Sehr gespannt war ich auf das neue Reclams Krimilexikon. Der Herausgeber, Klaus-Peter Walter, editiert auch das seit 1993 erscheinende hervorragende "Lexikon der Kriminalliteratur" aus dem Corian-Verlag, eine laufend ergänzt werdende Loseblattausgabe. Ich selber besitze einige Krimilexikon-Einführungen. Das vorliegende Werk enttäuscht aber sehr. Es versteht sich bewusst als Fortsetzung zum 1978 erschienenen Kriminalromanführer, ebenfalls aus dem Reclam-Verlag, der heute vergriffen ist. Diesem Grundlagenwerk fühlt sich der Autor verpflichtet. Da das Wissen um die ältere Geschichte der Kriminalliteratur weitgehend Allgemeingut geworden sei, werde auf eine Darstellung der Vor- und Frühgeschichte verzichtet, so das - viel zu kurz geratene - Vorwort. Auch die Definition von "Kriminalliteratur" ist äußerst kurz: "Um der Kriminalliteratur zugerechnet werden zu koennen, muss im Zentrum eines belletristischen Werkes ein crimen, ein Verbrechen, stehen. Dabei ist es unerheblich, ob auch eine Detektion, eine Ermittlung, folgt." Dies ist nun wirklich zu wenig. Ziel des Lexikons sei, eine Bresche zu schlagen in einen heute kaum noch zu überblickenden Literaturdschungel. Bei der Auswahl der behandelten Werke gelte es, die Balance zu wahren zwischen Aktuellem und historisch Bedeutsamen, dem was exemplarisch für eine bestimmte nationale Kriminalliteratur oder einen Autor bzw. eine Autorin steht, dem was der Herausgeber für gut und lesenswert hält und dem, was das Publikum gerne kaufe und lese. Genau dies ist dem Werk meines Erachtens nicht gelungen. Gerade im Vergleich zum Kriminalromanführer schneidet das vorliegende Werk sehr schlecht ab. Zwar findet sich am Ende eine einführende Bibliographie, ein Personen- und ein Literaturverzeichnis. Allerdings ist das Werk rein nach Autoren aufgebaut. Eine Länder- oder Gattungsbeschreibung oder eine kurze Darstellung der Geschichte der Kriminalliteratur - Bezug auf den - vergriffenen - Vorgänger hin oder her - hätte ich auf jeden Fall erwartet. Die aufgeführten Autoren werden teilweise kurz portraitiert (z.B. Anne Holt), teilweise jedoch überhaupt nicht (Robert Goddard) etc. Die Auswahl ist nicht nachzuvollziehen: weder der Klassiker Anthony Berkeley (auch Anthony Berkeley Cox) mit seinem "Der Fall mit den Pralinen", noch Cyril Hare mit "Tragödie im Gerichtssaal" oder die Werke Patrick Quentins sind zu finden. Auch Charles Willeford, Hillary Waugh, Nicholas Blake, Celia Fremlin, Dennis Lehane oder Steve Hamilton (um nur einige zu nennen) sucht man vergebens. Einen hervorragenden deutschen Krimi-Autor, Hans-Werner Kettenbach, habe ich ebenfalls vermisst. Es gibt sicherlich noch weitere Autoren, die fehlen. Nun kann natürlich ein Lexikon nie vollständig sein, aber eine solche "Auswahl" kann mich nicht überzeugen. Fazit: Wer eine gelungene Einführung in den Kriminalroman sucht, muss entweder auf Klassiker wie Julian Symons (dessen Grundlagenwerk "Am Anfang war es Mord", weil vor 1970 erschienen, ebenso unerwähnt bleibt wie ein Autoreneintrag dieses bedeutenden Autors) zurückgreifen oder sollte andere Einführungen vorziehen. Empfehlenswert sind auch heute noch: "Das Mordsbuch": alles über Krimis (herausgegeben von Nina Schindler) von 1997, Ulrike Leonhardt: "Mord ist ihr Beruf" (1990), Jochen Schmidts: "Gangster, Opfer, Detektive" aus dem Jahre 1989, das erwähnte "Lexikon der Kriminalliteratur" aus dem Corian-Verlag, Ulrich Suerbaums "Krimi: Eine Analyse der Gattung" aus dem Reclam-Verlag von 1984 oder das "Lexikon der deutschsprachigen Kriminalautoren" aus dem Jahre 2002.
Fazit
Auch als Einfuehrung ist, was hier geliefert wird, mir eindeutig zu wenig.
2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 20. März 2003

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