Kurt Seinitz: Vorsicht China! Wie das Reich der Mitte unser Leben verändert

Vorsicht China! Wie das Reich der Mitte unser Leben verändert

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-423-34466-1

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
"Wussten Sie, dass die chinesische Stadt Chongqing mit 34 Millionen Einwohnern der größte (funktionierende) städtische Ballungsraum der Welt ist?" fragt Kurt Seinitz in der Einleitung zur überarbeiteten Neuauflage seines Buches. "Wussten Sie, dass China Deutschland als zweitgrößte Exportnation der Welt überholt hat und inzwischen der größte Umweltsünder der Welt ist?" Seinitz Auswahl aktueller Daten (Stand 2006 und 2007) zur Lebenssituation in China zeigt, welche Schwerpunkte er in seinem China-Portrait setzen wird. Er hält sich nicht mit dem Lamentieren über Markenpiraterie und Billigwaren auf, sondern portraitiert eine Wirtschaftsmacht, die 20% der Weltbevölkerung stellt und 20% aller Währungsreserven besitzt. Seinitz lässt sich nicht von Einkaufs-Malls und Prachtbauten blenden, sondern zeichnet ein ausgewogenes Bild der Lebens- und Arbeitsbedingungen in einem Staat, in dem Gewinne in privaten Taschen landen, während Umweltschäden und Gesundheitsrisiken als persönliche Probleme Einzelner betrachtet werden. Seinitz berichtet vom Einfluss des wachsenden chinesischen Mittelstands, der mittlerweile 15 Millionen Menschen umfasst. Zwei von fünf Konsumenten werden künftig Chinesen oder Inder sein. Der Autor verspricht sich von der Nachfrage nach ausländischen Konsumgütern durch diese kaufkräftige Bevölkerungsgruppe eine Stärkung der europäischen Wirtschaft und hofft, dass eine gut verdienende, gebildete Mittelschicht zukünftig Rechtsstaatlichkeit und persönliche Freiheiten für die chinesischen Bürger fordern wird.

Seinitz zeigt China als zukünftigen IT-Marktführer und stellt erfolgreiche chinesische Unternehmen aus den Bereichen Umwelt, Klimatechnik, Textilien, E-Commerce und aus der Biotechnologie vor. Der Autor verschweigt nicht, dass das chinesische Wirtschaftswachstum mit dem Preis unkontrollierter Umweltzerstörung, mit Landraub und staatlicher Willkür erkauft wird. Dieser ökologische und soziale Sprengstoff ließe sich langfristig nicht allein durch Schauprozesse und eine verbesserte Versorgung der Bevölkerung entschärfen, fürchtet Seinitz. Der Redakteur für Aussenpolitk der österreichischen Kronen Zeitung findet klare Worte zu Kader-Kapitalismus und politisch-ökonomischen Mafia-Strukturen. Seinitz berichtet, dass von 3000 chinesischen Dollarmillionären 2900 Verwandte von Parteifunktionären sind. Wenn China seine ökologischen Probleme nicht gegen die Interessen und den Widerstand lokaler Polit-Kader lösen könne, müsse es sich mit weltweiten Berichten über Ausschreitungen unzufriedener Bürger abfinden, resümiert Seinitz. Kurz berichtet er aus Taiwan, aus Tibet und aus Chinas unruhiger Provinz Xinjiang. Die sehr kurzen Portraits von Singapur und Bangalore berühren das Thema China nur am Rande. Sibirien stellt der Autor als Einwanderungsland für geschäftstüchtige und fleißige Chinesen vor und vermittelt eine Vorstellung davon, was ehrgeizige Auswanderer zukünftig auf die Beine stellen können. Klare Worte lesen wir zum wirtschaftlichen Bedeutungsverlust Europas, seiner starren Bürokratie und über zukünftige Globalisierungs-Verlierer. Chinas weltpolitische Verantwortung und seine in Europa bisher kaum wahrgenommenen Aktivitäten in Afrika thematisiert Seinitz nicht. Der Autor untermauert seine Thesen mit zahlreichen Zitaten von Zeitzeugen und China-Experten; gern zitiert er Prof. Eberhard Sandschneider, den Direktor des Forschungsinstitutes der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, und den österreichischen China-Experten Gerd Kaminski. Den Blick seiner Leser richtet Kurt Seinitz stets darauf, dass unser China-Bild und unsere Erwartungen an die junge Wirtschaftsmacht durch die europäische Form des demokratischen, sozialen Staates beeinflusst sind, zu dem China sich ganz sicher nicht entwickeln wird.
Fazit
Kurt Seinitz beschreibt China im Jahr der Olympischen Spiele 2008 knapp, ausgewogen und leicht lesbar. Seine Texte tragen die Handschrift des Journalisten der österreichischen Kronen Zeitung. Der Autor knüpft an populäre Themen an, die die China-Berichterstattung der letzten Jahre beherrschten, und belegt seine Aussagen mit aktuellen Zahlen und griffigen Beispielen.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 24. März 2008

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