Zur reflexionstheoretischen Ordnung demokratischer Systeme ausgehend von der
Selbsteflexionsfähigkeit des Menschen gehört für den Sozialphilosophen Johannes
Heinrichs 1. instrumentales Handeln (sachbezogen), 2. strategisches Handeln
(politische Interessen), kommunikatives Handeln (Verständigung) und 4.
metakommunikatives Handeln (normenorientiert). (Vgl. Johannes Heinrichs,
Revolution der Demokratie, 2003, S. 86/87).
Das Freiheits- und Selbstreflexionswesen Mensch wird hier durch diese Reflexionsstufung zum systembildenden Wesen. Das bedeutet, daß die wechselseitige praktisch-soziale Reflexion auf der metakommunikativen Ebene, in der wechselseitig gegebene Normen im Rahmen einer spezifischen Kultur anerkannt werden, zum Abschluss kommt. Stabilisierende Normen erwachsen aus diesen "Selbstbezüglichkeits-Instanzen". Heinrichs’ Gedankengang verweist auf die deutsche Soziologie Othmar Spanns, der hiermit wieder eine moderne Bedeutung zukommt. In ihr sind Funktion und Organ der Ganzheit subsumiert, wesentlich von Vernunft bestimmt und frei. Sie werden selbst Substanz und bleiben nicht nur Funktion. Der Mensch ist sich seiner selbst bewußt und agiert intersubjektiv. Auch Henrich betont im vorliegenden Buch, daß Menschen ihr Leben aus dem Wissen von sich zu führen haben. Dieses Selbstbewußtsein ist mit zahlreichen intelligenten Leistungen verbunden, die in ihm wie in einem Zentralpunkt miteinander verflochten sind. So macht sich der Autor das Selbstbewußtsein systematisch und historisch zu seinem Leitthema. Er hat dieses in seinen Weimarer Vorlesungen entfaltet. Wir haben hiermit ein Buch vorliegen, welches klarstellt, inwiefern das Selbstbewußtsein überraschende Perspektiven auf zentrale philosophische Fragen eröffnet. Im Selbstbewußtsein ist ein gegenläufiger Ausgriff einerseits auf Konzeptionen der Welt und andererseits auf eine Selbstinterpretation angelegt. Das Widerspiel zwischen Selbst- und Weltbeziehung, zwischen Subjekt und Objekt, greift in die Dynamik des bewußt geführten Lebens ein. Von dieser Grundlegung aus werden eine Begründung der Ethik aus dem Selbstverhältnis des Menschen und eine Übersicht über die Bedeutung der Subjektivität in den vielen Weisen des "Mitseins" (143ff.) - der Intersubjektivität - der Menschen entfaltet. Des weiteren wird eine Verständigung über Freiheit entwickelt und ein metaphysischer Rahmen skizziert, in den sich die Subjektivität des Menschen zusammen mit diesem Freiheitssinn einfügen lassen. Henrich betont: "Wenn also Subjektivität mit Denken und Erkennen verbunden ist, dann werden vom Subjekt immer auch Gedanken über das Subjekt ihren Ausgang nehmen." (35) - Das Subjekt beginnt, über sich selbst nachzudenken. Was diesem Buch abgeht, ist die weitere Differenzierung der Reflexionsarten des Menschen. Insbesondere ihre Untergliederung in beispielsweise sachbezogenes, kommunikatives oder strategisches Reflektieren des Subjekts findet bei Henrich nicht statt, ebensowenig wird die Bedeutung dieses Reflektierens für die Entstehung sozialer Systeme thematisiert. Damit geht gleichsam der "missing link" zwischen Sozial- und Systemtheorie, die Vermittlung zwischen Subjekt und Objekt, vollends verloren. Fazit
Wie dem auch sei. Es wird klar, daß Heinrich hier nur den Gedankengang
fortführt, welchen er 1956 erstmals aufgegriffen hat. Es geht ihm um das
Selbstbewußtsein eines autonomen Subjekts. Schade nur, daß Henrich wie bereits
angedeutet, andere Denkansätze ignoriert und lediglich seine eigene (verengte)
Dimension durchficht.
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