Jyoti Guptara, Suresh Guptara: Calaspia. Die Verschwörung

Calaspia. Die Verschwörung

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Fantasy
ISBN-13 978-3-499-21453-0

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
In den sechs Königreichen Calaspias legte bisher niemand Wert auf Schulbildung. Allein mit dem 16-jährigen Brauerssohn Bryn Bellyset und mit dem gleichaltrigen Mittni Bartholdi machte die Gemeinschaft eine Ausnahme: Mittni bekam Unterricht von seinem Großonkel, Bryn wurde als 8-Jähriger aus seinem Heimatdorf Wenfeld zunächst vier Jahre lang zur Erziehung nach Quivelda geschickt. Nachdem er weitere vier Jahre von den "Aposteln des Verstehens" ausgebildet worden war, ist Bryn gerade nach Quivelda zurückgekehrt. Doch bevor das vergnügte, trinkfeste Völkchen Quiveldas eine Wiedersehensfeier für Bryn ausrichten kann, wird das Dorf von einer gemischten Monsterbande überfallen, die Einwohner entweder getötet oder verschleppt. Nur Bryn, Mittnis Schwester Telseara und sein kleiner Bruder Dordios entgehen der Verschleppung durch einen Zufall.

Bryn und die Geschwister machen sich gemeinsam auf den Weg, um die Verschleppten zu befreien und dem Imperium zu melden, dass die Monster, die Ostentum, doch nicht - wie bisher angenommen - ausgerottet sind und wieder in den Königreichen herum marodieren. Den Jugendlichen schließt sich der Zwerg Galar Stureison an. Galar ist ein muskulöser, gut trainierter Einzelkämpfer, der dummerweise vergisst, seine Brille zu dieser Unternehmung mitzunehmen. Gemeinsam gelingt es den Gefährten, Mittni und Thybil, den Großonkel der Geschwister, zu befreien. Bryn, Galar, Mittni, Thybil und Wafrudnir vom Stamm der Nephelim brechen nach Armaah auf, der schwimmenden Hauptstadt des Imperiums. Die erweiterte Gruppe will als Verhandlungs-Delegation in Calaspia um militärische und wirtschaftliche Unterstützung für ihre Heimat bitten. Unterwegs schließt sich ihnen Johan, ein Mensch an. In Armaah wird das Treffen des "Hohen Rats der Offiziellen und Landesältesten" in nie gesehenen Prunk zelebriert. Ahnungslos geraten die Gefährten zwischen die Fronten eines erbitterten Kampfs um Macht und Amt des Imperators. Bryn ist der Leidtragende dieser Intrige auf höchster Ebene und muss erkennen, dass eine Gruppe einflussreicher Bürger ihn und seine Kameraden für ihre Zwecke ausnutzt.

Die sechs Königreiche Calaspias sind auf einer Landzunge südlich der Säbelzahnberge gelegen und werden vom tyrannischen Imperator Opeion regiert. Die vereinten Königreiche sind moderne Gesellschaften; ihre Bewohner bauen Häuser, nutzen Bodenschätze und tüfteln an technischen Verbesserungen. Im kapitalistischen Wirtschaftssystem Calaspias gibt es Handel, Steuern werden erhoben, Waren mit Gold- und Silbermünzen bezahlt. Eine wohlhabende Oberschicht und eine Gruppe von Klerikern üben ihren Einfluss auf die Gesellschaft Calaspias aus. Jede Woche können die Leute von Calaspia eine Zeitung kaufen.

Der Brauer Bryn gehört zum Volk der Barue, die sich selbst als den Menschen ähnlich empfinden und sich anderen Völkern gegenüber als die Guten, die Bescheideneren sehen. Urteile der unterschiedlichen Rassen übereinander, Diskussionen welche Rassen menschlich oder menschenähnlich sind, sowie die Abgrenzung zwischen Menschen und anderen Lebewesen sind für die Bewohner Calaspias immer wiederkehrende Gesprächsthemen. Barue können sich gut in andere Wesen einfühlen und empfinden Mitleid, Furcht, Schmerz oder Schreck völlig fremder Personen. Bryn, der früher mit seinen Freunden gern Questus, ein P&P-Rollenspiel gespielt hat, muss sich auf dem Weg in die Hauptstadt erstmals außerhalb seiner Heimat bewähren.

Der Zwerg Galar ist ein alter Kämpfer, der sich im 40 Jahre zurückliegenden legendären "Krieg um das Tor" Verdienste erworben hat. Über Ged-Ruak, die große Bergfestung und Hauptstadt der Zwerge und die Abenteuer ihrer Bewohner erzählt man sich zahlreiche Anekdoten.

Suresh und Jyoti Guptara entwickeln im ersten Band der Calaspia-Serie eine phantastische Welt, die stark an die uns bekannte Gesellschaft angelehnt ist. Das modernste Elemente ist ein Überwachungssytem, das nicht nur Fingerabdrücke und Körpergewicht, sondern auch die magischen Fähigkeiten aller Bürger und Besucher penibel verzeichnet. Aufkeimende Kritik an den Herrschenden Calaspias und an den Folgen des kapitalistischen Systems erscheint im ersten Band noch stärker durch die Sichtweise unseres Jahrtausends geprägt als durch die Einsichten der Hauptfiguren. Ob die Gesellschaft Calaspias unserer modernen Welt tatsächlich ähnelt, werden die Folgebände zeigen.

Ihre ausführliche, plausible Darstellung von Staat und Gesellschaft in Calaspia ergänzen die Autoren mit zusätzlichen Anmerkungen im Anhang des Buches. Wenig fesselnd finde ich, dass die Zusammenhänge oft rein verbal erklärt werden, anstatt sie aus der Sicht der handelnden Figuren allmählich zu entwickeln. Es wird zwar berichtet, dass formale Gleichberechtigung in den Königreichen herrsche und Bel-Tued sogar von einer Frau regiert würde - aber es wird eben nur davon berichtet. Frauenrollen außer denen der jüngeren Schwester, der Großmutter und der Köchin sind im ersten Band der Serie knapp vertreten. Die freche Telseara und die Kundschafterin Aesir treten leider erst zum Ende des Buches auf. Weitere Zusammenhänge, die die Autoren eher berichten als sie lebendig werden zu lassen, sind die gesamte Logistik (wie kommt die Milch in die Flasche, wie das Wams an den Gefährten und woher stammt das Geld in den Taschen?), einige Kampfszenen (wie kämpfen zwei Personen vom Pferderücken aus gegeneinander, was passiert dabei konkret?) und die Vorausssetzungen, unter denen eine Gruppe längere Zeit in verschneiter Landschaft zu Pferd unterwegs sein kann. Auch die besondere Einfühlungsfähigkeit der Barue, die Emotionen genau spüren können, hätte ich mir lebendiger beschrieben gewünscht. Die Handlung hat im Mittelteil einige Längen, legt zum Ende wieder an Tempo zu und hält damit die Neugier auf die Fortsetzung wach.

Band 2: Calaspia. Der Schwertkodex
Fazit
Die 19 Jahre alten Autoren führen ihre Leser auf über 700 Seiten in die phantastische Welt Calaspias und seiner Bewohner ein. Im ersten Band ihrer Serie legen die Brüder Guptara eine Reihe viel versprechender Handlungsfäden aus, doch es gelingt ihnen nicht immer, Figuren und Handlungsabläufe plausibel und lebendig darzustellen.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne
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Calaspia. Der Schwertkodex

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 14. März 2008

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