Tycho Zeling ist auf dem Weg zu seinem Ferienjob in einem amerikanischen
Ferienlager. Schon am Amsterdamer Flughafen fällt ihm der gleichaltrige Oliver
auf, der aus Norwegen in die USA unterwegs ist. Oliver und Tycho haben ein
gemeinsames Ziel, sie werden als Betreuer im gleichen Feriencamp arbeiten und
sich ein Zimmer teilen. Tycho fühlt sich stark von Oliver angezogen und verliebt
sich in ihn. Zunächst ist Tycho hin und her gerissen zwischen seiner Zuneigung
zu Oliver und der Angst, von ihm abgelehnt zu werden. Team-Kollegin Donna
findet, es sei ganz offensichtlich, dass die beiden Männer ein Paar sind; mit
ihr kann Tycho sich aussprechen. Die Begegnung mit Oliver hat Tycho gezeigt, was
er bisher nicht wahrhaben wollte. Der 18-Jährige erkennt im Rückblick, warum er
sich in seiner ersten Beziehung zu einem Mädchen wie in einer Sackgasse gefühlt
hat.
Im Ferienlager herrscht eine oberflächlich liebevolle Atmosphäre im Stil von "Wir haben uns alle lieb", Vertrauen und Liebe, "trust and love", sollen das Zusammenleben prägen. Den frisch Verliebten ist klar, dass mit Liebe keine Zweierbeziehung unter Erwachsenen gemeint ist, erst recht keine homosexuelle Beziehung unter Gruppenbetreuern. John, der Camp-Leiter, führt ein Kritik-Gespräch mit den beiden Männern. Doch John braucht nicht selbst Stellung zu beziehen, er findet ein formales Schlupfloch, um Tycho und Oliver aus der kleinen heilen Welt des Camps zu entlassen. Tychos Eltern sind noch in Urlaub, auch Olivers Mutter ist nicht zu Hause. Die beiden fliegen nach Norwegen, um ihre letzten beiden Ferienwochen gemeinsam bei Oliver zu verbringen. In Norwegen muss Tycho sich der Realität stellen: er liebt einen Mann aus einem anderen Land, der noch nicht bereit ist, diese Liebe offen zu leben. "Die Tage der Blue-Grass-Liebe" erschien bereits 2001 unter dem Titel "Spring, wenn du dich traust". Fazit
Edward van de Vendel erzählt eine leichte, romantische Liebesgeschichte, die
geprägt wird von der beschwingten Atmosphäre des Ferienlagers. Über die
Beziehung zwischen zwei Männern hinaus zieht der Autor den Blick seiner Leser
hinter die Kulissen des von John gepflegten schönen Scheins und auf
Gruppenprozesse innerhalb des Teams, zeigt die Figuren seines Romans in all
ihren Facetten. Fern vom Alltag, in der Ausnahmesituation Ferienlager und
Sommerferien, haben Tycho und Oliver mögliche Auseinandersetzungen mit Eltern
und Freunden noch vor sich. Van de Vendel erzählt - sprachlich auf hohem
Niveau - aus der Perspektive des nachdenklichen Tycho, der seine Gefühle und
sein Anderssein reflektiert und sich fragt, was Liebe eigentlich bedeutet.
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