Lola ist 8 Jahre alt - fast 9, wie sie betont - und lebt mit ihrer Mutter auf
der Erbse, einem Hausboot. Lola denkt häufig an ihren Vater, der die Familie
verlassen hat, ohne sich zu verabschieden. Lola spricht in Gedanken oft mit
ihrem Vater; doch sie hat ihre Mutter bisher nicht gefragt, warum er nicht mehr
bei ihnen lebt. Als Frau Lachmann ihrer Tochter ihren neuen Freund Kurt
vorstellt, ist Lola entschlossen, den neuen Mann hinauszuekeln. Schade; denn
Kurt ist verdammt nett. Er zeigt Lola mit einem sehr persönlichen Geschenk, wie
gern er sie mag - doch das will Lola nicht wahrhaben. Eine wichtige Person in
Lolas Leben ist der alte Solmsen, der jeden Tag auf der Bank sitzt und an sein
gekentertes Boot "Flussperle" denkt. Solmsen kann wunderbare
Geschichten erzählen - und Geschichten helfen Lola in schwierigen Zeiten.
Solmsens Geschichte von König Rauschilus und den Meeresschnecken passt genau zu
der Meeresschnecke, die Kurt Lola geschenkt hat. Eine Geschichte, die Lolas
Mutter erzählt, hilft Lola schließlich zu akzeptieren, warum ihr Vater die
Familie verlassen hat.
Lola ist ein verträumtes, ernstes und zugleich sehr energisches Mädchen, das in einer ungewöhnlichen Umgebung lebt. Lola verbringt ihre Zeit zwischen realen und märchenhaften Figuren, ihre Welt ist geprägt von modernen Container-Schiffen und Netze flickenden Fischern. Frau Lachmanns Arbeit in ihrer Wäscherei, Lolas Schulbesuch und die Veränderungen durch den neuen Mann sind sehr real. Durch die Begegnung mit dem gleichaltrigen Pelle lernt Lola den Unterschied zwischen Themen, über die man sprechen muss, weil es einem gut tut und denen, über die man besser schweigt. Fazit
Lolas Kummer um ihren Vater und ihre entschlossene Ablehnung des neuen Partners
beschreibt Annette Mierswa altersgerecht und sehr treffend. Zu Beginn der
Handlung erleben wir eine noch sehr kindliche Lola, die in kleinen Schritten
lernt, die Veränderungen in ihrer Familie zu akzeptieren und sich in andere
Menschen hinein zu versetzen. Da Kinder sich selten für literarische Figuren
interessieren, die jünger sind als sie selbst, spricht Lolas Geschichte
besonders 8- bis 9jährige Leser und Zuhörer an. Lolas allmähliche Annäherung an
ihren abwesenden Vater und die märchenhaften Teile ihrer Geschichte vermitteln
das Thema Trennung und Verlassenwerden altersgemäß, doch Lolas Wortschatz und
ihre altkluge Sprache erschweren gleichaltrigen Lesern die Identifikation mit
ihr. Zum Selbstlesen für Kinder in Lolas Alter finde ich das sehr poetische Buch
etwas zu lang, zum Vorlesen ist es ideal.
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