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Zur Zeit der Mandschu-Herrschaft verfolgt General Yue Zhongqi den Ursprung eines
umstürzlerischen Schriftstücks, das die Mandschu-Herrscher kritisiert. Er löst
damit eine Kette verblüffender Ereignisse aus. Die Bezeichnung
"historischer Thriller" im Klappentext erweist Spences Buch einen
schlechten Dienst. Mancher mag einen historischen Kriminalroman erwartet haben
oder einen Roman in der Tradition von Robert van Guliks Richter Di und wird
vergeblich nach einem Kriminalfall und seiner Auflösung suchen.
"Verräterische Bücher" ist kein Thriller, die Geschichte wirkt nicht einmal besonders spannend. Nur vordergründig geht es um den "Fall", um das Schriftstück und seine Verbreitung. In Nebensätzen und Untertönen finden an China interessierte Leser bei Spence zahlreiche Bezüge zur Gegenwart. Man erfährt historische Details zur Herstellung und Verbreitung von Schriftstücken generell, liest wie damals Staat und öffentliches Leben organisiert waren, erlebt das Verhältnis zwischen Machthabern und ihren Kritikern. Deutlich werden die chinesische Vorstellung vom "Innen" (dem Mittelpunkt der Welt) und "Außen" (den Barbaren), der Kontrast zwischen Besitzenden und Abhängigen und wie die chinesische Gesellschaft mit Veränderungen umging. Hinter den geschilderten Vorgängen des 18. Jahrhunderts verbirgt der Autor augenzwinkernd dezente Kritik an ausufernder Bürokratie und anderen Begleiterscheinungen des Lebens in einem so ausgedehnten Reich. Spence berührt das Verhältnis zwischen der Han-Mehrheit und nationalen Minderheiten, beschreibt Bildung und Erziehung, sowie die religiöse Sinnsuche Einzelner. Rechtsprechung und das damalige Rechtsempfinden, wie Spence sie schildert, prägen bis heute den Umgang mit Recht und Gesetz in China. Die von ihm angeschnittenen Themen erweisen sich bis in die Gegenwart als entscheidend für Chinas Zukunft. Im Vergleich zu Spences umfangreichem 980-Seiten-Werk "Chinas Weg in die Moderne" hat der amerikanische Sinologe sich sehr kurz gefasst. Er reiste für die Recherche zu seiner Erzählung aus dem China des 18. Jahrhunderts an den Ort des Geschehens in den Kreis Yongxing im südöstlichen Hunan, besuchte die Palast-Museen in Taipei und Beijing und studierte Dokumente aus der Zeit des Kaisers Yongzheng. Fazit
"Verräterische Bücher" ist elegant formuliert, mit Landkarten
illustriert, durch umfangreiche Quellenangaben ergänzt und von einer Sinologin
sorgfältig aus dem Englischen übersetzt. Ein moderner Text im historischen
Gewand, der in der Tradition des "aus der Geschichte lernen" Bezüge
herstellt und dezent Kritik übt.
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