Oswald Spenglers "Untergang des Abendlandes" gehört zu den
meistgelesenen geschichtsphilosophischen Werken des 20. Jahrhunderts. So ist es
manchmal ratsamer, sich für zentrale literarische Werke durchaus bibliophile
Ausgabe zuzulegen, da diese beständiger sind und den Wert des Schriftinhalts für
Liebhaber optisch zu untermalen in der Lage sind. Neben den bisher bei dtv und
im Patmos-Verlag erschienenen Ausgaben zum "Untergang" ist die
vorliegende Ausgabe, welche Teil der Reihe "Beck`s Historische
Bibliothek" ist, die ohne Zweifel edelste und schönste. Das Buch ist in
weiß-grauen Leinen produziert worden, und es wird von einer Goldprägung mit der
Titelangabe geziert. Feines Papier und ein angenehmes Format runden diese
Ausgabe des Werkes von Spengler für den bibliophilen Leser ab.
Es bestätigt sich damit einmal mehr, daß das Buch bis heute seinen Platz als Klassiker der Zivilisationskritik behauptet hat. In jüngster Zeit haben sogar Spenglers Thesen im Zusammenhang mit der Debatte über das "Ende der Geschichte" (Francis Fukuyama) neue Aktualität gewonnen. Für Spengler aber gibt es kein Ende der Geschichte im Sinne eines fröhlichen Einmündens jeglicher Politik in den Prozeß der "Demokratisierung". Spengler ging von der irrationalen Diversifikation aus, der Vielfarbigkeit der Existenz, der irrationalen Individualität - bei Mensch und Staat. Er wollte dabei die "Zivilisation" oder "Demokratie" lediglich als einen Weg - wenn auch von ihm abgelehnt - akzeptieren. Die Unvermeidlichkeitsthese, der historische Determinismus, mündet in den Aufruf, die Zivilisation, in der man lebte, als große Endphase zu akzeptieren. Oswald Spengler steht deshalb für die Festigung und den Zusammenhalt politisch-realistischer Staatsmänner im Staate als wohldisziplinierter Organisationsform. Er hat einen großartigen Tatbestand beschrieben, der heute oft mißverstanden wird. Das hat ihn letztendlich tendenziell in der Bedeutungslosigkeit verschwinden lassen. Mit der vorliegenden Ausgabe des "Untergangs" aus dem C.H.Beck-Verlag haben wir das letzte Werk Spenglers vorliegen, welches bei Beck, dem einstigen Hausverlag Spenglers, erschienen ist. Das Nachwort von Detlef Felken ist mit demjenigen der dtv-Ausgabe identisch. Alle weiteren Schriften Spenglers sind bisher in anderen Verlagen erschienen, nicht aber bei C.H. Beck. Das entstandene Defizit, welches im Abbruch dieser Traditionslinie besteht, mag durch die Schönheit des vorliegenden Buches kompensiert werden. Dennoch, der Name des Verlages Beck sollte eigentlich auf längere Zeit und ohne Abbruch mit Spengler in Verbindung gebracht werden. Das bestätigt der Brief von Beck an Spengler vom 17.04.1922: "Daß der Name meiner Firma mit dem epochemachenden Werk verbunden ist, bedeutet für mich persönlich eine ganz besondere Genugtuung und Freude" (Oswald Spengler, Briefe, 1963, hrsg. von Anton M. Koktanek, S. 192) Fazit
Es sollte deshalb das vorliegende Buch nicht das letzte Spenglers sein, welches
gegenwärtig bei Beck erscheint. Zu denken wäre da für die nächsten Jahre an
Neuausgaben von "Politische Schriften" (1932), "Reden und
Aufsätze" (1937) oder "Gedanken" (1941).
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