Garry Disher: Hinter den Inseln

Hinter den Inseln

Verlag: Unionsverlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-293-00319-4

Preis: 39,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 06. Dezember 2016]
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Neil Quillers einziger Verwandter ist sein Onkel Leonard in Australien. Nach dem Tod von Neils Mutter nimmt Leonard seinen englischen Neffen auf seiner Farm auf. Neils gleichaltriger Cousin Cameron spottet über den britischen Akzent des unerwünschten Familienzuwachses. Das Verhältnis der beiden Gleichaltrigen bleibt lebenslang gespannt, erst recht als Cameron die Frau heiratet, die Neil liebt. Als 18-jähriger hatte Neil ein Pilotenhandbuch geschrieben. Es sollte ihm nicht noch mal passieren, dass er den Arzt der Leprastation anrufen musste, um zu fragen, ob er besser links oder rechts an einem bestimmten Hügel vorbeifliegen sollte. Neil notiert und sortiert seine Beobachtungen als Pilot, fügt eigene Fotos ein und lässt 200 Exemplare des "Pilot`s Guide to the North-West" drucken. Bei seiner Bewerbung als Pilot für die britische Royal Air Force macht der merkwürdige Junge aus Australien nicht gerade einen erfahrenen Eindruck - doch sein schmales Buch überzeugt. Flight Lieutenant Neil Quiller wird von 1941 an in Malaya im Gebiet zwischen der Andamanensee und der Straße von Malakka als Aufklärungsflieger bei der RAF eingesetzt, um u. a. den Vormarsch der Japaner zu fotografieren. Nachdem der junge Pilot über dem Dschungel abgeschossen worden ist, macht er sich zu Fuß auf den Weg nach Singapur. Neil verflucht die RAF und fragt sich, warum er vorher nichts über Moskitos, Blutegel und tropische Geschwüre gelernt hat. Im Chaos der Auflösung trifft er auf seinen Cousin Cameron, der Neill zwingen will, ihn mit der nächstbesten gestohlenen Maschine nach Australien zu fliegen. Eine Odyssee an Bord kleiner und ganz kleiner Boote führt Neil mit wechselnden Begleitern in winzigen Etappen zunächst zur Insel Padang, die westlich der Halbinsel Sumatra liegt. Neil scheint sich dabei immer weiter von seinem Ziel Australien zu entfernen - und fragt sich, ob er jemals lebend aus dem Archipel herauskommen wird.

Währenddessen kämpfen im australischen Outback die Familienangehörigen der Kriegsteilnehmer mit den Tücken des Farmalltags in Kriegszeiten. Sie sind von Nachrichten über das Schicksal ihrer Männer und Söhne weitgehend abgeschnitten. Sollen sie ausharren oder vor den nahenden Japanern ihre Farmen verlassen?
Fazit
Gerry Disher, in Deutschland bisher als Krimi-Autor bekannt, hat mich überrascht mit seinem ernsten, nüchternen Kriegsroman. Der australische Historiker hatte in seinen Kriminalromanen bereits Einzelgänger dargestellt, wie Detective Inspector Hal Challis, der in "Drachenmann" geduldig an seiner alten Propellermaschine de Havilland Dragon herumbastelte. "Hinter den Inseln" beschreibt den Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive der südostasiatischen Kolonien kurz vor ihrer Lösung aus dem britischen Empire und dem Niederländischen Kolonialreich. Disher verzichtet in seiner Darstellung auf Heldengehabe und grausames Schlachtengetümmel. Der Autor richtet den Blick auf die Entwicklung seiner Hauptfigur, auf die Leiden der Zivilbevölkerung und auf die Auflösung von Moral und Anstand nach dem Zusammenbruch hierarchischer Befehlsstrukturen. Dishers beeindruckender Roman ist an historische Ereignissee und Personen angelehnt; der Text wird durch Anmerkungen zu den genutzten Quellen und ein Interview mit dem Autor ergänzt.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 16. Juli 2007

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