Neil Quillers einziger Verwandter ist sein Onkel Leonard in Australien. Nach dem
Tod von Neils Mutter nimmt Leonard seinen englischen Neffen auf seiner Farm auf.
Neils gleichaltriger Cousin Cameron spottet über den britischen Akzent des
unerwünschten Familienzuwachses. Das Verhältnis der beiden Gleichaltrigen bleibt
lebenslang gespannt, erst recht als Cameron die Frau heiratet, die Neil liebt.
Als 18-jähriger hatte Neil ein Pilotenhandbuch geschrieben. Es sollte ihm nicht
noch mal passieren, dass er den Arzt der Leprastation anrufen musste, um zu
fragen, ob er besser links oder rechts an einem bestimmten Hügel vorbeifliegen
sollte. Neil notiert und sortiert seine Beobachtungen als Pilot, fügt eigene
Fotos ein und lässt 200 Exemplare des "Pilot`s Guide to the
North-West" drucken. Bei seiner Bewerbung als Pilot für die britische Royal
Air Force macht der merkwürdige Junge aus Australien nicht gerade einen
erfahrenen Eindruck - doch sein schmales Buch überzeugt. Flight Lieutenant Neil
Quiller wird von 1941 an in Malaya im Gebiet zwischen der Andamanensee und der
Straße von Malakka als Aufklärungsflieger bei der RAF eingesetzt, um u. a. den
Vormarsch der Japaner zu fotografieren. Nachdem der junge Pilot über dem
Dschungel abgeschossen worden ist, macht er sich zu Fuß auf den Weg nach
Singapur. Neil verflucht die RAF und fragt sich, warum er vorher nichts über
Moskitos, Blutegel und tropische Geschwüre gelernt hat. Im Chaos der Auflösung
trifft er auf seinen Cousin Cameron, der Neill zwingen will, ihn mit der
nächstbesten gestohlenen Maschine nach Australien zu fliegen. Eine Odyssee an
Bord kleiner und ganz kleiner Boote führt Neil mit wechselnden Begleitern in
winzigen Etappen zunächst zur Insel Padang, die westlich der Halbinsel Sumatra
liegt. Neil scheint sich dabei immer weiter von seinem Ziel Australien zu
entfernen - und fragt sich, ob er jemals lebend aus dem Archipel herauskommen
wird.
Währenddessen kämpfen im australischen Outback die Familienangehörigen der Kriegsteilnehmer mit den Tücken des Farmalltags in Kriegszeiten. Sie sind von Nachrichten über das Schicksal ihrer Männer und Söhne weitgehend abgeschnitten. Sollen sie ausharren oder vor den nahenden Japanern ihre Farmen verlassen? Fazit
Gerry Disher, in Deutschland bisher als Krimi-Autor bekannt, hat mich überrascht
mit seinem ernsten, nüchternen Kriegsroman. Der australische Historiker hatte in
seinen Kriminalromanen bereits Einzelgänger dargestellt, wie Detective Inspector
Hal Challis, der in "Drachenmann" geduldig an seiner alten
Propellermaschine de Havilland Dragon herumbastelte. "Hinter den
Inseln" beschreibt den Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive der
südostasiatischen Kolonien kurz vor ihrer Lösung aus dem britischen Empire und
dem Niederländischen Kolonialreich. Disher verzichtet in seiner Darstellung auf
Heldengehabe und grausames Schlachtengetümmel. Der Autor richtet den Blick auf
die Entwicklung seiner Hauptfigur, auf die Leiden der Zivilbevölkerung und auf
die Auflösung von Moral und Anstand nach dem Zusammenbruch hierarchischer
Befehlsstrukturen. Dishers beeindruckender Roman ist an historische Ereignissee
und Personen angelehnt; der Text wird durch Anmerkungen zu den genutzten Quellen
und einem Interview mit dem Autor ergänzt.
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