Werbespots, die erst ganz am Ende preisgeben, für welchen Artikel sie werben,
gehören zu den Erfolgreichsten; denn sie wecken gekonnt Aufmerksamkeit beim
Zuschauer. Auch Sherko Fatah zieht seine Leser dadurch in seinen Bann, dass er
mit Informationen geizt. Ein namenloser Mann, genannt "der
Schmuggler", geht allein im unwegsamen Gelände zwischen der Türkei, Irak
und Iran seinen Geschäften nach. Er ist zu Fuß durch ein vermintes Gelände
unterwegs, um auf der anderen Seite der Grenze im Auftrag von Kunden Ware zu
kaufen und zurück zubringen. Es gibt vereinzelte Bauern in der Gegend, doch sie
bleiben stets am Rand der verminten Bereiche. Der Schmuggler profitiert vom
Embargo, das über das Land verhängt wurde, von der Abgeschiedenheit der Gegend
und von seiner extrem vorsichtigen Arbeitsweise. Genaues Beobachten, Sichern und
Abwägen sind für den Fußgänger im Niemandsland lebenswichtig. Der Schmuggler und
die Armee sind nicht die einzigen, die sich für die unwegsamen Sand- und
Felsmassen interessieren. Auch eine ausländische Organisation, die dort Minen
räumen will, signalisiert ihr Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem
Schmuggler.
Den sicheren Pfad, auf dem der Schmuggler zwischen den Minen unterwegs ist, hält er für seinen Besitz. Spuren anderer Menschen in seinem Revier versetzen ihn in höchste Alarmbereitschaft. Bei einem früheren Auftrag hatte ein Mann namens Beno sich dem Schmuggler förmlich aufgedrängt. Die beiden Männer belauerten sich damals gegenseitig. Beno will den Schmuggler zum Informanten über Veränderungen in seinem Revier pressen. Er gibt dem Schmuggler eine Warnung mit: er solle gut auf seinen ältesten 13-jährigen Sohn, einen Koranschüler, aufpassen. Der Schmuggler macht nun immer häufiger irritierende Beobachtungen in "seinem" Niemandsland, fühlt sich beobachtet und wird auf seinen Beschaffungsgängen zunehmend nervöser. Fazit
"Im Grenzland" könnte eine utopische Geschichte sein, die in einer
fremden Welt nach dem Ende mehrerer Kriege spielt. Hinweise auf die Gegenwart
gibt der Autor nur sparsam. Der Ort der Handlung ist das Dreieck zwischen der
Türkei, dem Iran und Irak. Diese Gegend, aus der Fatahs Vater stammt, war in der
Folge des Golfkriegs von der übrigen Welt isoliert und vom Militär streng
bewacht. Schmuggler, korrupte Regierungsmitarbeiter und Militärs haben in der
Abgeschiedenheit eine fiktive Parallelwelt aus Angst, Gewalt und Korruption
aufgebaut. Fatahs karge Sprache zwingt zum aufmerksamen Lesen, erzeugt eine
düstere Spannung und lässt das exakte Bild eines kargen, graubraunen Landstrichs
und seiner wenigen Bewohner entstehen.
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