Donna Morrissey: Der Geruch von Salz

Der Geruch von Salz

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-423-24594-4

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
"Mein Boot, mein Haus, mein Holzstoß" - der junge Kanadier Sylvanus Now kann jeden Abend sehen, was er mit eigenen Händen geschafft hat. Wie seine Vorfahren arbeitet er in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts als selbständiger Küstenfischer in der kanadischen Provinz Neufundland und will daran so bald nichts ändern. Sylvanus kann nicht genau erklären, was ihm an der elenden Plackerei gefällt. Er findet, dass man sich beim Fischen reich fühlen kann, selbst wenn man wenig damit verdient. Sylvanus hat sein Handwerk bei seinem älteren Bruder gelernt; sein Vater und ein weiterer Bruder sind bei der Arbeit tödlich verunglückt. In den 50er Jahren kündigt sich in Kanada eine völlige Umstrukturierung der Fischerei an - große Lebensmittelkonzerne wollen den Fang komplett aufkaufen und die Fische auf Fabrikschiffen sofort zu Fischstäbchen verarbeiten. Noch mag Sylvanus nicht glauben, dass der Käufergeschmack sich ändern kann und eines Tages kein gesalzener Trockenfisch mehr gegessen werden könnte. Er setzt auf selbständiges Arbeiten mit einem eigenen Boot, achtet die Tradition und legt Wert auf hohe Qualität seiner Ware.

Die 14-jährige Adelaide hasst ihre sechs kleinen Geschwister, sie hasst Wasser, sie hasst Fisch und sie hasst ihr kleines Heimatdorf Ragged Rock. Ohne Geld und ohne Bildung konnte ein Mädchen zu Adelaides Zeit nur dann aus dem Dorf herauskommen, wenn es einen Mann aus einem anderen Ort heiratete. Adelaide will unbedingt einen Schulabschluss erreichen; denn sie will fort aus dem Dorf. Doch Adelaides Mutter findet, dass eine 14-Jährige nicht mehr zur Schule zu gehen braucht und hat ihre älteste Tochter aus der Schule abgemeldet. Addy soll - wie alle Frauen - auf der Stelling arbeiten, der Plattform auf der der Fisch ausgelegt, gesalzen und dann unter freiem Himmel getrocknet wird. Die Frauen des Dorfes hoffen, dass sich ihre Arbeitsbedingungen verbessern werden, wenn sie in Zukunft statt auf der Stelling in einer Fischfabrik arbeiten.

Als Sylvanus sich in Addy verliebt, wird diese Liebe auf eine harte Probe gestellt; denn sein Heimatdorf Cooney Arm ist noch kleiner als Addies Dorf - hier leben nur 10 Familien! Die Beziehung zu Sylvanus scheint das Ende von Adelaides Träumen zu bedeuten.

Vor dem historischen Hintergrund des Strukturwandels der 50er Jahre, als Automation und die darauf folgende Überfischung die Lebensgrundlagen der Küstenfischer gefährdeten, knüpft Donna Morrissey eine bewegende Liebesgeschichte zwischen zwei hartnäckigen Dickköpfen. Sylvanus kämpft mit seinem kleinen Boot allein gegen alle (die Fangflotten, die Fabrikschiffe, die kanadische Regierung); zu Hause in Cooney Arm wehrt er sich ebenso dickköpfig dagegen, seine Sorgen mit seiner klugen Frau zu diskutieren und sich mit ihr gemeinsam der Zukunft zu stellen.
Fazit
Wer Wasser, Sturm und Boote - im Gegensatz zu Adelaide - nicht hasst, wird sich gern von Donna Morrisseys Buch in einen entlegenen Winkel Kanadas entführen lassen. Morrisseys Schilderungen des Alltagslebens in Neufundland beruhen auf historischen Vorbildern; ihre Figuren werden die Leser nicht so schnell wieder vergessen.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 07. Juli 2007

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