Mats Wahl: Die Lüge

Die Lüge

Verlag: Ravensburger Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-473-58079-8
Preis: 0,50 Euro bei Amazon.de [Stand: 06. Juli 2008]

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Niemand konnte sich an einen ähnlich heißen Sommer erinnern. Vor Olof liegen die endlos langen schwedischen Sommerferien; er freut sich darauf, in einem dicken Stapel Bücher zu schmökern. Der 13-Jährige liebt Geschichten und schreibt selbst gern. Zur Verbesserung seiner katastrophalen Rechtschreibung hat Olofs Lehrerin ihm ein Übungsprogramm für die Ferien verordnet. Doch Olofs überschießende Fantasie sucht sich ihren Weg lieber in grotesken Lügengeschichten wie der, dass sein Freund Sverker nach dem Besuch beim Zahnarzt gestorben sei. Die beiden 13-jährigen erleben eine idyllische, dörfliche Kindheit in den 50er Jahren. Gebrochen wird die Idylle, als Olof im Schwimmbad der jungen Nachbarin Eivor nachspioniert und seinen Vater mit ihr zusammen in einer Badekabine beobachtet.

Fast alle Familien ernten Gemüse und Obst in riesigen Selbstversorger-Gärten. Der sommerliche Obstüberschuss hält die beiden Knaben nicht davon ab, nachts zum Spaß Obst in Nachbargärten zu stehlen. Bei einer dieser Raubzüge belauschen sie ihren Lehrer beim Erzählen eines schlüpfrigen Witzes. Olof kann den Mund nicht halten und erzählt den Witz weiter. Doch dass er für die Entgleisung des Lehrers Stenberg bestraft werden soll, sieht er nicht ein. Stenberg setzt Olof unter Druck und verlangt, dass er sich öffentlich zum Urheber des Witzes erklärt. Ausgerechnet der ängstliche Sverker, der sich stets so um seine Gesundheit gesorgt hatte, tritt in dieser Situation dem Lehrer entschieden entgegen und entlastet Olof.

Zu Beginn des Sommers schien das ganze Leben noch vor Olof und Sverker zu liegen, an seinem Ende wirken sie beinahe erwachsen. Mats Wahl beschreibt eine vordergründig idyllische Kindheit in der Zeit der pistaziengrünen Autos, der Doppelmoral und des böswilligen Klatschs. Eltern, Lehrer und Pfarrer waren sich damals einig, was als "anständiges Benehmen" anzusehen war und setzten ihre Vorstellung entschlossen durch, oft auch mit Gewalt. Dass Wahl eigene Erinnerungen aus den 50ern erzählt, liegt nahe.
Fazit
Wahl schildert die Atmosphäre dieses besonderen Sommers so dicht, dass man als Leser die Hitze des Bodens an den nackten Füßen selbst zu spüren glaubt. Olofs jugendliches Aufbegehren gegen die kleinstädtische Doppelmoral hat der Autor in seiner ruhigen Feriengeschichte treffend eingefangen.

Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 22. Juni 2007

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