Hannelore Krollpfeiffer: Wir lebten in Berlin. Eine Geschichte vom Ende des Krieges

Wir lebten in Berlin. Eine Geschichte vom Ende des Krieges

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-423-34415-9
Preis: 7,50 Euro bei Amazon.de [Stand: 12. Oktober 2008]

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Ursula und ihre Schwester Hannelore sind in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs Anfang 20 und haben durchschnittliche Bürojobs in Berlin. Beide versuchen zwischen Hunger, Brennstoffmangel, nächtlichen Fliegerangriffen und unruhigen Nächten im Luftschutzkeller den Anschein von Normalität aufrecht zu erhalten. Die Erzählerin übernimmt die ängstliche, nervöse Rolle; die Person Ursula verhält sich dagegen provozierend gleichgültig. Wer täglich den Tod vor Augen hat, spielt irgendwann mit dem eigenen Leben und findet es belanglos, ob das Verdunkelungsrollo sorgfältig geschlossen ist oder nicht. Obwohl Ursulas Arbeitgeber, ein Kunsthändler, sich schon längst aus Berlin abgesetzt hat, bemüht sie sich, den Schein einer normalen Tätigkeit zu wahren. Die Ich-Erzählerin, deren Name im Text nicht genannt wird, vermittelt als Schreibkraft im Auftrag einer Zeitschrift Brieffreundschaften zwischen jungen Mädchen und Soldaten an der Front. Beide Frauen leben bis auf den Kontakt zum gemeinsamen Freund Horst ziemlich isoliert. Ihr Hunger nach Kultur, nach einem Ausbruch aus dem täglichen Einerlei von nationalsozialistischer Propaganda und Denunziation bricht immer wieder durch. Der lakonische Ton des Berichts lässt Raum für die Ängste und Empfindungen zweier junger Frauen, deren Jugend durch Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg geprägt wurde.
Fazit
Krollpfeiffers Erinnerungen protokollieren in typischem Berliner Tonfall alltägliche Erlebnisse in den beiden letzten Kriegsjahren. Die 1924 in Berlin geborene Autorin verarbeitete als 20-jährige eigene Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1943 bis 1945 zu ihrem Bericht, der 1947 zum ersten Mal erschien und nun unbearbeitet neu aufgelegt wurde. "Wir lebten in Berlin" berührt die Leser durch seine authentische Sprache, die Nähe zu den Ereignissen und seine Entstehungsgeschichte.

Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 21. Juni 2007

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