Als dem tyrannischen chinesischen Kaiser Han und seiner Gefährtin Silberlotus
der kleine Prinz Zong geboren wird, können die Untertanen wieder hoffen. Zong
könnte der lang ersehnte Sternenfürst sein; denn der Thronfolger wurde mit einem
Muttermal in der Form des Qin, des Zeichens der Rebellen geboren. Schon bald
wird der Hoffnungsträger der einfachen Leute von konkurrierenden Mächten der
realen und der phantastischen Welt gejagt. Die Zwillinge Weißer Blitz und
Schwarzer Wirbelwind führen den Kampf an gegen den Kaiser und gegen Yamu, den
Herrn der Toten, und seine Dämonen.
L. G. Bass hat eine phantastische Welt der Drachen, Dämonen und märchenhaften Wasserbewohner geschaffen, in der zusätzlich pfiffige Artefakte ihren Besitzern magische Kräften verleihen. Die Autorin wurde zu ihrer Geschichte von Tiger&Dragon-Filmen angeregt, von den Kampfkünsten, chinesischen Klassikern mehrerer Jahrhunderte und klassischen Lehren der Kriegführung. Doch ihre schnellen Schnitte sind für einen Roman wenig geeignet, die Übergänge zwischen den teils sehr kurzen Szenen abrupt. Die Darstellung realer Ereignisse, wie die des Sandsturms, der durch die winterliche Verbotene Stadt fegt, gelingt der Autorin nicht. Sie berichtet, dass ein Sandsturm stattfindet, aber beschreibt ihn nicht. In den phantastischen Szenen ist diese Wortkargheit noch ärgerlicher. Ein Drache tritt auf - aber er tritt nur auf, er wird nicht in der Phantasie der Leser zum Leben erweckt. Berichtet wird von einem Raben, der eigentlich eine Harpiye ist - wie das Wesen aussieht, erfahren die Leser nicht. Die von der Autorin gewählten Bilder und die Sprache des Buches wirken ungeschickt und stellenweise schlecht übersetzt. Ein Dichter im China vor Tausenden von Jahren wird kaum zum Bleistift gegriffen haben, ein Künstler nicht ohne Tusche und Reibestein zurecht gekommen sein. Das Gift einer Schlange kann tödlich sein; eine Schlange kann nicht "die tödlichste" sein. Durch die schnellen Szenenwechsel, die fehlende logische Begründung der Ereignisse und die nur wenig ausgestalteten Charaktere entsteht kaum Spannung. Drache, Tiger und Kranich tauchen in der Geschichte zwar auf; doch für ihre mythologische Bedeutung in China kann die Autorin kaum Interesse bei ihren jugendlichen Lesern wecken. Fazit
"Im Zeichen des Qin" ist ein äußerlich liebevoll gestaltetes Buch mit
ansprechendem Buchcover, aufwändigem Vorsatzpapier, Lesebändchen und einer Liste
der auftretenden Charaktere. Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat und ist mit
einem chinesischen Schriftzeichen dekoriert. Im Anhang werden diese
Schriftzeichen erklärt, doch falsch als chinesische "Buchstaben"
bezeichnet. Ärgerlich, dass dem Inhalt des Buches vom Verlag weniger
Aufmerksamkeit geschenkt wurde als dem Äußeren.
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