Christian Krockow: Rheinsberg

Rheinsberg

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-423-30649-2

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Ich bin vergangenes Wochenende - inspiriert durch eine Fontane-Lesung über Rheinsberg - in Rheinsberg gewesen und habe mir das imposante Schloss und die wunderbare Umgebung - einschließlich des Parks - angesehen. Zur Vorbereitung der Reise habe ich nicht nur das entsprechende Rheinsberg-Kapitel von Fontane, sondern auch Krockows Bändchen erschienen. Ich muss sagen: die Lektüre lohnt sich.

Wer Details zur Baugeschichte des Schlosses erwartet, wird hier etwas enttäuscht werden. Diese Baugeschichte wird zwar angesprochen, aber lediglich in groben Zügen skizziert. Die Faszination dieses Bandes liegt woanders: in der Beschreibung der Funktion des Schlosses als "Exil". Rheinsberg war ja nicht nur - wie allgemein bekannt - Sitz des preußischen Kronprinzen, des späteren Friedrichs des Großen, in den Jahren 1736-1740 - Jahre, die er später als die "glücklichsten seines Lebens" bezeichnet hat. Auch Friedrichs Bruder Heinrich hat hier lange gelebt und ist nicht umsonst als "König von Rheinsberg" bezeichnet worden. Warum entwickelte sich gerade in Rheinsberg immer wieder Opposition zum preußischen Königshof? Krockow gibt darauf eine einleuchtende Antwort: Rheinsberg war weit weg genug von Berlin und Potsdam, um ein Eigenleben des dortigen Hofstaates zuzulassen. Bei Unbotmäßigkeit konnten die Beteiligten weder schnell nach Potsdam bzw. Berlin zitiert werden, noch gab es die Möglichkeit - aufgrund der geographischen Entfernung und schlechten Anbindung - dass der Rheinsberger Hof den Verlockungen aus Berlin und Potsdam erlegen wäre und sich aufgelöst hätte. Die Rheinsberger "Idylle" konnte nur zustande kommen, weil eine gewisse Isolation zu Berlin bzw. Potsdam gegeben war; stärker, als dies bei anderen Höfen, etwa Charlottenburg oder Wusterhausen der Fall gewesen ist.

Schwerpunkt des Buches liegt in einer Analyse der Persönlichkeit von Prinz Heinrich und der - schwierigen - Beziehung zu seinem Bruder Friedrich. Hier greift Krockow ein Thema auf, welches er in seinem Werk: "Die preußischen Brüder" später ausführlich weiterführen sollte.

Hauptthese des Buches ist: Rheinsberg verkörpert das "andere" Preußen: jenseits der "Sekundärtugenden" von Drill und Pflichterfüllung war hier Muße und Entspannung möglich; daher bilanziert Krockow - meines Erachtens zu recht: Wer Preußen "entdecken" möchte, seine verschiedenen Facetten erleben möchte, der sollte nach Rheinsberg kommen. Ich selber habe an der Stelle des Glienecker Sees gesessen, das Buch in der Hand gehabt und einen wunderbaren Blick auf das Schloss genießen können.

Die Tipps für Reisende - von der Anreise bis zur Unterkunft - stammen zwar aus dem Jahr 1992, sind jedoch nach wie vor aktuell.
Fazit
Meines Erachtens ist das Büchlein, welches in der Tradition von Fontanes Reisebeschreibungen steht, jedoch keinesfalls langatmig, sondern flüssig zu lesen ist (im Gegensatz zu Fontanes entsprechendem Kapitel aus seinen "Wanderungen") nicht nur eine hervorragende Einführung in die preußische Geschichte, sondern ein unverzichtbares Werk für Rheinsberg-Reisende. Unbedingt lesenswert!
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 17. Mai 2007

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