Qiu Xiaolong: Rote Ratten

Rote Ratten

Verlag: Paul Zsolnay Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-552-05379-3

Preis: 1,19 Euro bei Amazon.de [Stand: 29. September 2016]
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Als Inspektor Chen Cao von Lei, einem wichtigen Shanghaier Zeitungsmann, in einen feudalen Sauna-Club eingeladen wird, freut ihn das kaum. Nichts auf der Welt ist gratis - und Gefälligkeiten verpflichten ihn Lei gegenüber zu Gegenleistungen. Will Lei ihm etwa durch die Blume andeuten, dass auch der pflichtbewusste Ermittler und Hobby-Poet Chen erpressbar sein könnte? In der Provinz Fujian war kurz zuvor ein Ermittler tot aufgefunden worden, bevor er in einem weit verzweigten Netz von Korruption ermitteln konnte, das sich bis in höchste Kreise erstreckte. Der Hauptverdächtige Xing hatte sich in die USA abgesetzt und dort politisches Asyl beantragt. Chen befragt in diesem Zusammenhang die Fernsehjournalistin An, die er seit seiner Studentenzeit kennt. Kurz danach wird auch An tot aufgefunden. Doch bevor Chen die verwickelten Beziehungen entwirren kann, wird ihm mitgeteilt, dass er eine Delegation des chinesischen Schriftstellerverbandes in die USA zu begleiten hätte. Chen steht nun beruflich und persönlich an einem Wendepunkt. Haben seine Ermittlungen die Kreise mächtiger, korrupter Funktionäre in Shanghai gestört, die ihn gern aus dem Weg schaffen möchten? Soll er die Reise als indirekten Hinweis verstehen, unauffällig in den USA zu ermitteln? Daran, dass er seine ehemalige große Liebe, die Amerikanerin Catherine Rohn zufällig oder absichtlich wiedersehen könnte, wagt er gar nicht zu denken. Qiu Xialong hat aus Chen Cao, seinem Mitarbeiter Yu, Yus Ehefrau und dem pensionierten alten Yu ein pfiffiges Ermittlerteam gebildet, das inoffizielle Kanäle nutzt und halblegal oft zu überraschenden Ergebnissen kommt.

Jedes Mal, wenn Chen mit seinen Ermittlungen vor unlösbaren Problemen steht, tauchen recht unrealistisch im letzten Moment entweder Bargeld, ein Laptop oder jemand mit den gerade benötigten Sprachkenntnissen auf. Im chinesischen Alltag passieren solche Wunder seltener. Das Zusammentreffen von Vertretern des alten China, die anscheinend mitten in der Mao-Zeit stecken geblieben sind und erwarten, dass Besuchern aus dem Reich der Mitte weltweit gehuldigt wird, mit US-amerikanischen Ignoranten, die ebenfalls ihre Heimat für den Nabel der Welt halten, schildert Qiu mit viel Sinn für Situationskomik.

Mit Hilfe der Figur Inspektor Chen, der vor seiner Ermittlertätigkeit Englische Literatur studierte und nebenberuflich aus dem Englischen übersetzt, unterstreicht Qiu die traditionelle chinesische Ansicht, ein gebildeter Mensch sei ein Kenner der chinesischen Klassiker. Zahlreiche in die Handlung eingeschobene Gedichte aus verschiedenen Epochen, Chens eigene Gedichte und das zeremonielle Verschenken von Kalligraphien stellen die Geduld der Leser immer wieder auf harte Proben. In jedem Band deutet Qiu an, dass sein Ermittler die Sohnespflichten gegenüber seiner betagten Mutter noch nicht erfüllt hat - Chen ist immer noch Junggeselle. Chens Verhalten gegenüber Vorgesetzten und befragten Zeugen lehnt sich an Taktiken des Go-Spiels an, an Regeln der Kriegsführung des Sun Tsu oder auch an das Angreifen und Zurückweichen in den asiatischen Kampfkünsten. In keinem Chen-Krimi fehlen Einkaufen, Kochen und Essen. Zeugenbefragungen, Treffen mit Yu und seinem Familienclan wären ohne kulinarische Fachsimpeleien undenkbar.
Fazit
Qius Krimis sind durch seine detailreichen Schilderungen des chinesischen Alltagslebens geprägt. Der vierte Roman um den literarisch versierten Ermittler Chen ist wieder eine kluge Verknüpfung aktueller Ereignisse mit klassischen Motiven der chinesischen Kultur. Durch Chens Reise in die USA kommt der Schauplatz Shanghai in diesem Band etwas zu kurz. Hoffentlich kehrt Inspektor Chen brav nach China an seinen Arbeitsplatz zurück, damit bald über weitere Ermittlungen zu lesen sein wird.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 17. April 2007

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