R. Scott Bakker: Der Prinz aus Atrithau. Der Krieg der Propheten 2

Der Prinz aus Atrithau. Der Krieg der Propheten 2

Verlag: Klett-Cotta Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Fantasy
ISBN-13 978-3-608-93784-8

Preis: 24,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 03. Dezember 2016]
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Der hier anzuzeigende Fantasyroman "Der Prinz aus Atrithau" ist der zweite Teil einerTrilogie, die in englischer Sprache bereits komplett vorliegt. Da der erste Teil, Schattenfall. Der Krieg der Propheten 1, bereits an anderer Stelle besprochen wurde, seien nur einige kurze Vorbemerkungen gemacht.

Die Welt von Eärwa wird von einem Krieg gewaltigen Ausmaßes erschüttert. Der neue Tempelvorsteher der inrithischen "1000 Tempel" hat einen "Heiligen Krieg" gegen die Anhänger des Propheten Fane, die Kiane, verkündet. Ein riesiges Heer von gläubigen Inrithi ist aufmarschiert, um die heilige Stadt Shimeh zurückzuerobern. Im Heer befindet sich auch Anasurimbor Kellhus, angeblich ein "Prinz aus Atrithau", aus dem fast vergessenen Norden, wo seit 2000 Jahren, seit der mythisch verklärten Apokalypse, nur noch wenige Menschen leben. Kellhus stammt tatsächlich aus dem Norden, er ist jedoch ein Dunyain, Anhänger eines Mönchsordens, deren Anhänger nach geistiger und körperlicher Perfektion streben und dabei menschliche Gefühle ausblenden. Kellhus, der ein meisterhafter Manipulator ist, gelingt es binnen kürzester Zeit, sich eine angesehene Stellung im Kreuzfahrerheer zu verschaffen. Unterstützung findet er durch Cnaiür, einen Barbaren aus dem Norden, der jedoch gegen Kellhus' Manipulationskünste weitgehend gefeit ist und nur daran denkt, Shimeh zu erreichen und dort Kellhus' Vater Moenghus zu töten, der ihn Jahre zuvor betrogen hatte. Auch Drusas Achamian, ein mächtiger Hexer und Mitglied des Ordens der Mandati, die als einzige noch an die Geschichten der Apokalypse glauben, in der die Menschheit beinahe von dem "Nicht-Gott" vernichtet worden wäre, begleitet das Heer. Er erkennt den Familienname Anasurimbor sofort wieder - war dies doch der Name der einst mächtigen Könige von Kuniüri, deren Reich im Zuge der Apokalypse unterging.

Der Marsch des Kreuzfahrerheers verläuft zunächst zwar strapazvoll, aber auch recht erfolgreich. Mehrere Städte und Landstriche, die einst zum Kaiserreich Nansur gehörten, fallen an die Eroberer. Dabei machen sich aber auch erste Spannungen bemerkbar, denn die Nansur, deren General Ikurei Conphas das Heer begleitet, verfolgen eigene Pläne. So fällt bald schon Cnaiür, der über reichlich militärische Erfahrung verfügt, die Rolle eines "militärischen Beraters" zu. Dabei ist er vollkommen in seinem Element, zumal seine Wut über Kellhus, der sich mit Leichtigkeit bei den Inrithi einschmeichelt, den frommen Adligen spielt und bald schon der "Kriegerprophet" genannt wird, immer mehr zunimmt - nicht zuletzt, weil Cnaiür Kellhus' Geliebte Serwe begehrt, diese aber Kellhus hoffnungslos verfallen ist.

Trotz einiger Schwierigkeiten fällt sogar das uralte Shigek an die Inrithi, während die Kiane verzweifelt im Süden Truppen sammeln. Achamian, dem teils Zweifel bezüglich Kellhus kommen, wird von Mitgliedern des Hexerordens der Scharlachspitzen gefangen genommen, die von ihm die Kunst der Gnosis, der Hexenkunst des alten Nordens erfahren wollen. Achamian kann schließlich entkommen, nicht jedoch, ohne einen Preis dafür zu bezahlen. Nur unter Mühen erreicht er die Stadt Caraskand, die zwar von den Inrithi gehalten wird, die nun aber selbst zu belagerten geworden sind, denn das gewaltige Heer des Padirajah von Kian ist endlich eingetroffen.

Die Inrithi leiden gewaltigen Hunger und Durst und manchen kommen nun Zweifel am "Kriegerpropheten". Besonders Ikurei Conphas, der Kellhus nie getraut hat, aber auch andere Mitglieder des Kriegsrats fordern Klarheit. Dabei ist ihnen nicht bewusst, dass auch die "Rathgeber", die fast völlig vergessenen Diener des Nicht-Gottes, noch immer aktiv sind und Kellhus ebenfalls ausschalten wollen, da er ihre "Hautkundschafter", Spione, die die Gestalt von Menschen annehmen können, mühelos enttarnen kann.

Das Ende des Buches ist recht abrupt, bildet jedoch auch durchaus den logischen Endpunkt der Entwicklung, die Kellhus im Laufe der Handlung durchmacht. Kellhus selbst erweckt beim Rezensenten keine Sympathie, wenn man Bakker auch loben muss, einen so gelungenen "Anti-Helden" geschaffen zu haben. Dafür entschädigen aus meiner Sicht vor allem Cnaiür, Achamian, aber auch viele Randcharaktere. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Prostituierte Esmenet, deren Entwicklung nun ebenfalls fragwürdig, aber doch nachvollziehbar ist.

Der zweite Teil ist gespickt mit durchaus fesselnd beschriebenen Schlachten, aber auch politische Intrigen kommen nicht zu kurz. Bemerkenswert ist es, die Manipulationstechniken von Kellhus zu verfolgen, der faktisch nie Gefühlen Platz einräumt, sie aber nachahmt und es versteht, daran zu appellieren. Das Ende des Buches deutet dabei jedoch auf eine bemerkenswerte Wende im Gemüt des ansonsten so kalt berechnenden Mannes hin.

Insgesamt erfährt der Leser mehr über die Vorgeschichte dieser Welt, die offenbar in weiten Teilen an antike Hochkulturen angelehnt ist (wie im Fall von Nansur [Rom/Byzanz] oder Shigek [Mesopotamien/Ägypten]), während der Kriegszug der Inrithi unzweifelhafte Züge des 1. Kreuzzuges trägt. Dennoch ist dies keine Kritik, die Handlung wirkt dadurch nur lebendiger.
Fazit
Bakkers zweiter Teil der Trilogie ist ihm sehr gut gelungen, aus Sicht des Rezensenten noch besser als der erste Teil. Bakkers Welt wirkt sehr "lebendig", wenn auch teils erschreckend düster und brutal. Die Ausarbeitung der Charaktere ist vielleicht noch nicht auf dem Niveau von George R. R. Martin oder Steven Erikson, was aber keine Schande ist. Jedem Leser (nicht nur Fantasyleser!), der eine durchaus "erwachsene" Rahmenhandlung zu schätzen weiß, kann daher bedenkenlos zu Bakkers Buch greifen. Für den geneigten Einsteiger, der den ersten Teil nicht gelesen hat, verfügt der deutsche Band über eine nützliche zusammenfassende Einleitung.

Zu erwähnen ist auch die stilvolle Aufmachung des Buches durch den Verlag Klett-Cotta, im Fantasybereich keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Es bleibt zu hoffen, dass auch der dritte Teil komplett übersetzt erscheint, da der englische Originalband einen umfangreichen Anhang mit Lexikonteil enthält.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 16. April 2007

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