"Ich schmolz, erstarrte Tropfen für Tropfen auf seiner Handfläche, fragte
mich, wie man ganz ohne jeden Grund zum Gefangenen zweier Augen wird."
Nuscha folgt gesellschaftlichen Zwängen, als sie sich für die Ehe mit dem Arzt
Dr. Massum entscheidet; ihre Liebe zum mittellosen Töpfer Hosseina bleibt
unerfüllt und lässt die junge Frau voller Sehnsucht und Ruhelosigkeit zurück.
Doch das alles erfährt der Leser erst im Verlaufe eines kunstvoll verflochtenen Plots, denn Abbas Maroufi erweckt seine Protagonistin zum Leben, um sie sterben zu lassen: Auf den ersten Buchseiten wird der Leser Zeuge, wie Massum seine Frau tödlich verletzt. Von nun an bleiben Nuscha noch sieben Nächte, bevor sie ihren Wunden erliegt - sieben Nächte voller trauriger Erinnerungen. Einzig der Gedanke an Hosseina hält ihren Lebenswillen aufrecht. Der Iraner Maroufi skizziert mehr als eine tragische Liebe. Der Titel seines Buches "Im Jahr des Aufruhrs - Geschichte einer Liebe" verrät bereits seinen zweiten Fokus: Mit großer Affinität zum Detail beschreibt er ebenfalls die politischen Umstände des Jahres 1941 in einem kleinen iranischen Dorf südlich Teherans. Ähnlich wie die von Liebe und Vernunft zerrissene Nuscha ist der Ort Ssangssar von politischer Konkurrenz gezeichnet: Im Sommer 1941 besetzen sowjetische und britische Truppen das bis dahin neutrale Land Iran, wobei Ssangssar zur nördlichen Hälfte gehört, die den Russen obliegt. Es kommt zum Aufbegehren der Einheimischen gegen die Invasoren. Fast pausenlos fließen Blut und Tränen. Auch Nuschas Leben ist von Kummer gezeichnet: Der Autor macht Schwermut zu ihrem auffälligsten Charakterzug - und verleiht der Liebe eine herausragende Bedeutung. Nur die wenigen gemeinsamen Momenten mit Hosseina lassen Nuschas Tränen versiegen: "Ich verschlang ihn mit meinen Augen und konnte nicht anders, als glücklich sein." Aber Maroufi führt seine Geschichte ad absurdum: Aus Galgen werden "hübsche Triumphbögen", die zerplatzten Schädel toter Soldaten lässt der Autor mit "erblühten Blüten" assoziieren, und kurz bevor Nuscha stirbt, findet auch Hosseina den Tod. Fazit
Sprachlich webt der Autor einen exzellent einheitlichen Strang aus verschiedenen
Zeiten, Erzählperspektiven und Realitäten, dennoch bleibt immer schmerzlich
deutlich, wo Wirklichkeit in Träume übergeht - Abbas Maroufi beschwört
menschlichen Schmerz in Zeiten politischen Aufruhrs.
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