Die 18-jährige Rosmary Savage steht nach dem Tod ihrer Mutter plötzlich allein
da. Rosemary lebt in Tasmanien, "wo es ruhig ist und nicht viel
passiert". Ihre mütterliche Freundin, die Buchhändlerin Esther Chapman,
beschließt, dass Rosemary eine Großstadt braucht, plündert ihr Sparbuch und
finanziert Rosemary eine Reise nach New York. Dort angekommen, betritt die
bücherliebende Rosemary entschlossen das Antiquariat Arcade und verkündet:
"Ich muss hier arbeiten". Der Inhaber Mr. Pike nimmt eigentlich keine
Frauen. Für Rosemary, das rothaarige australische Landei, macht er die erste
Ausnahme. Rosemary beginnt ihre Tätigkeit bei Arcade als Springer; sie hilft
aus, wo sie gebraucht wird. In einem Labyrinth unüberschaubarer Büchermengen,
die sich auf dem Boden, auf Tischen und Stühlen stapeln, müssen täglich Bücher
bibliographiert, geordnet und in die Regale gestellt werden. Rosemary arbeitet
mit einigen exzentrischen männlichen Individuen zusammen, die ihre verkannten
Talente durch das Ansammeln von absurdem Wissen ausleben. Jeder ihrer Kollegen
lebt in seiner Abteilung wie in einem Biotyp. Die neue Aushilfe entwickelt bald
Geschick im Umgang mit konkurrierenden Gruppen von Schnäppchenjägern unter den
Kunden des Arcade. Als Rosemary eines Tages dem sehbehinderten Geschäftsführer
Mr. Geist einen Brief vorliest, der nicht an ihn gerichtet war, kann sie noch
nicht ahnen, dass sie damit einen erbitterten Kampf zweier Konkurrenten um ein
unbekanntes, unbezahlbares Manuskript Herman Melvilles auslöst.
Fazit
Sheridan Hay hat selbst im Antiquariatsbuchhandel gearbeitet. Die Atmosphäre
des Antiquariats und die Charaktere der seltsamen Typen, die dort
zusammentreffen, schildert Hay treffsicher und humorvoll. Wenn Mr. Pike seinen
Bleistift hebt, um ein Buch auszuzeichnen, sieht man ihn stellvertretend für
alle Ausbilder und Chefs lebendig vor sich. Auch den Typ des zwanghaften
Buchkäufers und Buchsammlers charakterisiert die Autorin mit hintergründigem
Humor. In ruhigen Erzähltempo wird Rosemarys Suche nach einem Platz in der Welt
beschrieben. Hays fein beobachteter Roman wirkt beinahe zeitlos; einziger
Hinweis auf die Zeit der Handlung sind die Erlebnisse der Pförtnerin Lillian
während der Zeit der Pinochet-Diktatur in Argentinien. Ein Muss für jeden
Bücherliebhaber.
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