Jürgen Todenhöfer: Wer weint schon um Abdul und Tanaya?

Wer weint schon um Abdul und Tanaya?

Verlag: Verlag Herder [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Politik
ISBN-13 978-3-451-28115-1

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Jürgen Todenhöfer liefert eine hervorragende Darstellung der Beziehungen zwischen den USA einerseits und den islamischen Ländern, insbesondere Afghanistan und Irak andererseits. Todenhöfer, lange Zeit entwicklungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, kennt die Länder über die er schreibt, aus eigener Anschauung. Nicht zufällig beginnt die Darstellung mit Todenhöfers gefahrvoller Reise in das von der Sowjetunion besetzte Afghanistan 1980. Todenhöfer, der nach eigenem Bekunden die Bevölkerung der USA wegen ihrer Unkompliziertheit sehr schätzt und das Land mag, kann nicht vorgeworfen werden, auf "einem Auge blind" zu sein. Er berichtet fesselnd von eier Reise nach Bagdad, die er Ostern 2002 mit seinem 18-jährigen Sohn unternommen hatte. Er zitiert aus Briefen, die er u.a. an den amerikanischen Präsidenten Bush schrieb. Dort heißt es u.a.: "Die USA können mi einem klugen politischen Vorgehen bei der irakischen Regeung fast alles erreichen - Waffeninspektionen, eine effekivere Rüstungskontrolle, Gewaltverzichtsverträge mit den Nachbarn, Frieden mit Israel, eine Sicherung der Erdölversogung sowie eine wirksame Beteiligg am Kampf der USA gegen en internationalen Terrorismus... Ich befürchte, dass Sie mit einem Angriff auf den Irak Ihre legitimen Ziele nicht ereichen werden." Ein Präventivkrieg, so führt Todenhöfer zu recht aus, wäre ein völkerrechtswidrger Angriffskrieg. Auch die wirtschaftlichen Folgen wären verheerend, da die Kosten auf minstens 10 bis 200 Milliarden Dollar geschätzt würden (S. 202). Vor allem: es gibt laut Todenhöfer eine Alternative zum Krieg: eine erfolgreiche Politik der Eindämmung, die er in 8 Punkten zusammenfasst (S. 217/18). Wenn dieser Weg nicht gegangen wird, so führt Todenhöfer überzeugnd aus, treibt die desillusionierte Bevölkerungin den Terrorismus. Es könnte sein, dass die Anschläge auf Djerba, Bali und Mombasa nur in leichtes Vorgeplänkel dessen waren, was auf uns zukommt."
Fazit: "DIe USA sind durch den Zusammenbruch der Sowjetunion in ihre weltpolitische Führungsrolle geradezu hineingestoßen worden. Diese Rolle bringt nicht nur Rechte sondern auch Pflichten mit sich. Wenn die USA unsere Welt in eine lebenswerte Zukunft führen wollen, müssen sie von einer militärischen zu einer moralischen Supermacht werden. Sie müssen dabei... auf die Attraktivität und Verführungskraft ihrer Werte, ihrer Konzepte und Ideen vertrauen, statt diese mit brutaler Gewalt durchzusetzen. Sie müssen vor allem aufhören, die machtlosen Länder der Dritten Welt immer wieder zu erniedrigen und zu demütigen."
Fazit
Diese Weisheiten in der derzeit angespannten weltpolitischen Situation prägnant und verständlich nicht nur für Fachpublikum, sondern auch für breite Bevölkerungskreise verständlich dargestellt zu haben, darin liegt - wie bei den Publikationen des Islam- und Nahost-Experten Peter Scholl-Latour - der Verdienst Todenhöfers. Emil Zola hat in der Dreyfuss-Affaire sein berühmtes "J'accuse" an den Präsidenten der damaligen französischen Republik gerichtet. Das "J'accuse" des 21. Jahrhunderts könnte meines Erachtens dieses beeindruckende Werk werden.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 14. Februar 2003

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