Mit "Ohrensausen" hat der 1966 geborene und in Hessen lebende Autor
Jochen Till einen Jugendroman vorgelegt, der meines Erachtens zu recht im Jahre
2003 von der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert worden
ist.
Danny, 17-jähriger Protagonist des Buches, ist leidenschaftlicher Musiker. Zusammen mit einigen Freunden hat er eine Punk-Band gegründet und übt fleißig für ihren ersten Auftritt im örtlichen Jugendzentrum. Innerhalb der Gruppe kommt es jedoch bald zu Spannungen, weil Vinny, ein langjähriger Freund aus Kindheitstagen, sich zunehmend stärker rechtsextreme Freunde sucht und sich dadurch immer mehr von den Bandmitgliedern und seinem Freund Danny entfremdet. Die Ereignisse eskalieren, als Danny, der wegen seiner miserablen Leistungen in Mathematik um sein Abitur bangen muss, Nachhilfe von Vinnies Freundin Clarissa erhält, in die er sich verliebt. Doch die Freundin des Freundes ist tabu - aber ist Vinny noch ein Freund? Diese Frage zieht sich thematisch durch das ganze Buch und wird am Ende beantwortet. Die Freundschaft beider zerbricht, als Vinny mit Glatze und rechtsradikalem Outfit zum Konzert kommt und dieses nur mit Mühe gerettet werden kann. Doch Danny erkennt: eine Freundschaft, die nur aus der Vergangenheit lebt, ist keine Freundschaft. Danny ist reifer und sensibler als sein Freund Vinny, der - um nach außen "cool" zu wirken und seinen neuen rechten Freunden zu gefallen - Mädchen belästigt und üble Sprüche klopft. Daran geht auch seine Freundschaft mit Clarissa zugrunde und auch sein langjähriger Freund Danny wendet sich von ihm ab, nachdem Vinny Clarissa während des Life-Konzertes vor allen Leuten lächerlich macht. Dass auch Vinny differenziert dargestellt wird und auch eine sensible Seite hat, die er aber zunehmend "verbirgt", wird zwar deutlich, sodass die Freundschaft der beiden so unterschiedlichen Protagonisten nachvollziehbar wird, zumal Vinny über ein Jahr im Haushalt von Danny und seiner Schwester gelebt hat, nachdem seine Eltern und er durch einen Verkehrsunfall schwer verletzt worden waren. Aber letztlich sind die Charaktere von Danny und Vinny zu unterschiedlich, um die frühere Freundschaft zu retten. Dass so etwas zum "Leben" dazu gehört, dies schildert Jochen Till in zeitgemäßer und frischer Jugendsprache, so dass der Autor bis heute zu den beliebtesten Jugendbuchautoren gehört und immer wieder gerne gelesen wird. Dass die Entwicklung am Ende durchaus "vorhersehbar" ist und dass Danny und Clarissa am Ende zusammenkommen, weil sich Clarissa von Vinny trennt, ist zwar vorhersehbar. Aber die verschiedenen Typen und Charaktere sind so lebensecht und "authentisch", dass der Leser denken könnte, diese Geschichte habe sich wirklich ereignet. Fazit
Spannend, witzig und zum Nachdenken anregend. Sehr lesenswert.
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