Die Lewins sind allesamt ein wenig durchgeknallt. Großmutter Maud kann sehen,
obwohl sie blind ist, Mutter Elisabeth lebt in unnahbaren musikalischen Sphären,
und die Kinder haben auch so ihre kleinen Eigenheiten: die Zwillinge Wanda und
Leander lieben einander allzu innig, ihr Bruder Jules schlägt einem Mörder im
Affekt den Schädel ein und verfällt daraufhin ein paar Jahre in Schweigen, und
Emma, die jüngste, hört irgendwann einfach auf, weiterzuwachsen. Einen Vater hat
diese merkwürdige Sippe, die in einem halb verfallenen Haus am Rande der Stadt
wohnt, nicht aufzuweisen. All das ist natürlich ein gefundenes Fressen für den
kleinstädtischen Klatsch und Tratsch, und dass die Kinder beim Heranwachsen eine
Menge einzustecken haben, ist nicht verwunderlich. Wie lässig sie allerdings die
erschütterndsten Dinge bewältigen, ohne daran Schaden zu nehmen, erstaunt schon
eher. Leander ist es, der erzählt. Er erzählt von der verzehrenden Liebe zu
seiner Zwillingsschwester, er erzählt, wie er zum Krüppel wird, er erzählt, wie
er sich in seinen Mitschüler Ralph verliebt. Lea, so wird er von allen genannt,
geht mit seiner Beinprothese genau so selbstverständlich um wie mit den ganzen
seltsamen Menschen um ihn herum, und nicht weniger gelassen mit dem Sex mit
seiner Schwester oder seinem Freund. Mit seiner Stimme schildert Gita Lehr in
ihrem Erstlingswerk die unmöglichsten Dinge so nachvollziehbar, dass sie völlig
selbstverständlich und ganz "normal" scheinen. Das einzig Normale an
diesem Buch ist allerdings, daß es sehr, sehr schnell geht, bis man es nicht
mehr weglegen mag.
Fazit
Suchtbildend.
weitere Rezension zu diesem Buch schreiben Rezension als PDF-Datei speichern Direkt verlinken: http://www.buchtips.net/rez2427.htm weiterführende Links:
noch keine Links vorhandenLink vorschlagen zu: Gita Lehr, Die Lewins (zu dieser Rezension), Die Lewins (allgemein zu diesem Buch) Vorgeschlagen von Annette Rieck
[Profil] | ||||