Die 15-jährige Chiara Morelli ist eine eigenwillige, kritische Person mit
besonderer Begabung für Zahlen. Die Familie Morelli lebt um 1860 in Italien, der
Vater arbeitet als Spielzeugmacher und Erfinder. Nach dem plötzlichen Tod ihrer
Eltern wird Chiara aus Italien zum Bruder ihrer deutschen Mutter nach Berlin
geschickt. Professor Göttling will Chiaras mathematische Fähigkeiten für seine
Zwecke ausnutzen. Er ist ein unangenehmer, herrischer Zeitgenosse, der die ganze
Familie tyrannisiert und einsperrt. Chiaras Cousin Toto, der besonders unter
seinem Vater zu leiden hat, schmiedet Fluchtpläne für Chiara und sich.
Fazit
In poetischer Sprache charakterisiert Jürgen Seidel eine junge Frau mit
ungewöhnlicher Begabung. Die Beschreibung von Chiaras Sicht der Welt weckt auf
den ersten Seiten des Buches hohe Erwartungen an Seidels historischen
Jugendroman, die im weiteren Text nicht erfüllt werden. Die merkwürdigen
Verhältnisse in der Familie Göttling, Verschwörungstheorien und die Rolle des
preußischen Königs für die Handlung werden wenig plausibel beschrieben. Weder
die Motive der handelnden Personen, noch die persönliche Entwicklung Chiaras,
noch die Atmosphäre in einer bürgerlichen Familie des 19.Jahrhunderts sind
überzeugend geschildert. Die Konflikte, die sich für Chiara durch ihre Begabung
zu einer Zeit ergeben, als Schulbildung nur für wenige Mädchen
selbstverständlich war, spielen in der langatmigen Handlung leider nur eine
geringe Rolle.
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