Sergej Lukianenko: Wächter der Nacht

Wächter der Nacht

Verlag: Wilhelm Heyne Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Fantasy
ISBN-13 978-3-453-53080-5

Preis: 13,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 29. September 2016]
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Sergej Lukianenkos Roman "Wächter der Nacht" wurde vielfach gelobt. Das Buch des 1968 in Kasachstan geborenen Autors wurde aus dem Russischen übersetzt, nachdem die erste der drei Geschichten als Kinofilm herauskam.

Zunächst hatte mich das Buch an russische phantastische Literatur - etwa Bulgakows: "Meister und Magarita" erinnert. Worum geht es: Seit Menschengedenken gibt es die sogenannten "Anderen": Vampire, Hexen, Schwarzmagier. Unerkannt leben sie in unserer Welt. Doch diese Magier bilden keine einheitliche Gruppe. Es gibt die Wächter der Nacht, die Wächter des Tages und die Wächter des Zwielichts. Den "Wächtern des Tags" obliegt es, einen vor langer Zeit zwischen den Organisationen geschlossenen Waffenstillstand zu überwachen und Verstöße dagegen zu ahnden. Doch es heißt, dass ein mächtiger Anderer kommen werde, der die Fähigkeit besitze, das Gleichgewicht der Kräfte für immer zu verändern. Es muss verhindert werden, dass er sich auf die Seite des Bösen schlägt, um die Welt vor dem Chaos zu bewahren.

Chaotisch - dies ist aus meiner Sicht jedoch nicht der Andere, sondern die - möglicherweise einer schlechten Übersetzung geschuldete - Schreibweise des Autors. Die Grundidee, einmal das - vor allem in amerikanischen Fantasyromanen vorhandene - Gut/Böse-Schema, welches von Anfang an eindeutig Gut und Böse identifiziert und es Aufgabe des guten oder der guten Protagonisten ist, das Böse oder den Bösen zu besiegen (Sauron, Voldemort, Arawn oder wie auch immer diese Figuren heißen) - wird hier durchbrochen. Aber dies - und geschickte Anspielungen auf bekannte russische Romane und Satiren (Ilf/Petrows 12 Stühle werden erwähnt oder die Science-Fiction-Romane der Brüder Strugatzki) ist auch die einzige Faszination, die ich dem Buch, welches aus drei miteinander verzahnten Geschichten besteht, die in Ich-Form aus der Sicht des "guten" Magiers Anton erzählt werden, abgewinnen kann. Anton muss den mutmaßlichen Anderen, Jegor, dessen Schicksalslinien nicht bestimmt zu sein scheinen, bewachen. In allen drei Geschichten kreuzen sich ihre Schicksale. Doch entschieden wird nichts. Weder erfährt man, auf welcher Seite Antons Vorgesetzter, sein Chef, ist, noch, warum er offensichtlich Intrigen und Manipulationen durchführt. Alle Entwicklungen werden lediglich angerissen und nicht erklärt - oder ich habe sie aufgrund der komplexen, aber m.E. nicht durchdachten Handlungsstruktur nicht verstanden. Oder verliert der Autor nur die Lust, die verworrenen Handlungsfäden zu erklären? Nun lese ich gerne märchenhafte Fantasy, möchte aber glaubwürdige Charaktere und auch glaubwürdige Handlungen haben. Da der Autor die Schicksale der einzelnen von ihm eingeführten Charaktere nur andeutet und die Handlungen lediglich darin bestehen, Leute zu überwachen und Intrigen, die merkwürdigerweise von den eigenen Vorgesetzten inszeniert werden (den Grund dafür erfährt der Leser in diesen Bänden nicht), kommt spätestens ab der zweiten Geschichte gähnende Langeweile auf. Man merkt dem Buch meines Erachtens an, dass es geschrieben worden ist, um es zu verfilmen. Doch Action Action Action um der Action willen ohne gutdurchdachten Plot oder glaubwürdig handelnde Charaktere (es verwundert bei den Verwicklungen durchaus, dass sie am Ende noch leben) reicht mir nicht aus. Daher habe ich mich bereits nach der ersten Geschichte nicht nur gelangweilt, sondern zunehmend durch das Buch durchquälen müssen. Ich habe es jetzt - vor dem Ende der dritten Geschichte - weggelegt, da ich mir diese unwahrscheinliche Handlungsgsstruktur nicht länger antun wollte. Dies mag anderen Lesern anders gehen und ist zugegenermaßen ein hartes Urteil. Dennoch hat dieser Roman - langatmig, unwahrscheinlich und ohne glaubwürdige Handlung und glaubwürdige Charaktere, die eine Begründung ihrer Handlungen vermissen lassen (oder ich habe sie nicht verstanden) mich absolut nicht überzeugt.
Fazit
Leider aus meiner Sicht daher mehr als enttäuschend.
2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne2 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 04. Dezember 2006

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