Jakob und Isabelle haben anscheinend alles und empfinden nichts. Jakob
untersucht für eine Berliner Anwaltskanzlei von London aus ungeklärte
Eigentumsverhältnisse an Haus- und Grundbesitz in Deutschland. Nach der
Wiedervereinigung können Alteigentümer Ansprüche auf enteignete und erpresste
Grundstücke geltend machen. Isabelle arbeitet als Buch-Illustratorin für ihre
früheren deutschen Auftraggeber. Beide sind beruflich erfolgreich; ihre
Beziehung wirkt eher wie eine Verlegenheitslösung. Sie leben wie britische
Großstädter und behalten durch ihre Arbeit dennoch den Kontakt zu Deutschland.
Beide scheinen trotz ihres vordergründigen Erfolgs seltsam neben sich zu stehen.
Die Handlung ist zeitlich zwischen dem Anschlag auf das World Trade Center und dem Beginn des Irak-Krieg angesiedelt. Die englischen Medien fordern die Bürger gerade auf, Kerzen und Batterien für den Notfall einzulagern. Aktionismus verhindert Panik und offene Kritik durch die Bevölkerung. Die großen Katastrophen verstellen den Menschen den Blick für die alltäglichen kleinen Katastrophen. Jeder erlebt sie mit ohne sie wahrzunehmen. Die kleine Sara, die mit ihren Eltern in Isabelle und Jakobs Nachbarhaus lebt, ist viel zu blass und verschüchtert. Niemand hat sie je zur Schule gehen sehen. Niemand kümmert es, dass die Eltern sie den ganzen Tag zu Hause einschließen während sie arbeiten. Katharina Hacker schildert an Saras Beispiel knapp und eindringlich Armut und Verwahrlosung mitten im Wohlstand. Jakob und Isabelle stellt die Autorin als mit sich selbst beschäftigte, nur vordergründig angepasste Soziopathen dar. Sie leben wie viele DINKs: Double income - no kids. Den düsteren Andeutungen einiger Menschen, die Isabelles und Jakobs Weg kreuzen, können sich die Leser kaum entziehen: "Es braut sich etwas zusammen,... es wird etwas Unglückliches sein." Fazit
Katharina Hacker hat in unprätentiösem Stil das beunruhigende Portrait einiger
Großstadtbewohner in den besten Jahren geschrieben.
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