Harper Lee: Wer die Nachtigall stört...

Wer die Nachtigall stört...

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-499-14281-9

Preis: 3,02 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Oktober 2016]
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Das vorliegende Buch hat mich sehr beeindruckt und nicht mehr losgelassen. In der Tradition von Mark Twain behandelt dieser Südstaaten-Klassiker das gesellschaftliche Leben in den USA im Jahre 1935, also zur Zeit von Präsident Roosevelt. Rassenhass und Vorurteile bestimmen das Leben in Maycomb City (Alabama). Dort wächst die neunjährige "Scout", eigentlich Jean-Louise Fink, zusammen mit ihrem Bruder Jem wohlbehütet als Tochter eines Rechtsanwaltes auf. Doch die Idylle wird getrübt, als ihr Vater, Atticus, eines Tages einen Neger, Tom Robinson, aus Überzeugung verteidigt. Tom Robinson soll eine Weiße vergewaltigt haben. Da Atticus die Verteidigung nicht nur als Pflicht ansieht, sondern von der Unschuld Toms überzeugt ist, ziehen sich die Finks den Hass einiger Leute in dem Dorf zu. Die Ereignisse eskalieren, als Tom, der trotz Atticus Verteidigung verurteilt wird - ein offenkundiger Justizirrtum - bei der Flucht aus dem Gefängnis erschossen wird. Der Vater der Weißen, der unsympathisch gezeichnete Bob Ewell, überfällt aus Rache die beiden Kinder und kommt dabei ums Leben. Unversehens endet die bislang idyllische Kindheit der Finks und Jem - der seine Schwester bei dem Überfall verteidigt hat, muss fortan mit einer Behinderung - einem verkürzten Arm, der ihm bei dem Überfall verrenkt worden war - leben.

Dennoch: die Autorin vermeidet - wie eine Rezension beim Erscheinen des Buches 1962 schrieb - die Perspektive der Bitterkeit. "Sie beschreibt mit dem Staunen und mit der Furchtsamkeit, die der erste Zusammenstoß mit der Wirklichkeit auslöst, Liebe und Obhut eines Vaters, der die Auseinandersetzungen mit dem rätselhaften Dasein der Erwachsenen lenkt." Der Vater, Atticus, erweist sich als Fels in der Brandung, als Hort der Rechtschaffenheit. Zwar ist er nicht erfolgreich in dem Sinne, dass er dem Recht zum Sieg verhelfen kann (einziger Erfolg bleibt, dass die Geschworenen Tom Robinson nicht innerhalb von 10 Minuten für schuldig befinden, sondern dafür rund 2 Stunden benötigen). Dennoch gelingt es ihm, seinen Kindern Vorbild zu werden - in seiner freundlichen und unaufdringlichen Menschlichkeit.

Menschlichkeit und der Wert von Freundschaften - dies wird durch diesen eindrucksvollen Roman packend demonstriert. Anstand siegt nicht immer; aber er macht das Leben lebenswerter. Dies alles lernt Scout mit der "Beobachtungsschärfe der Unwissenden, dem Erfahrung noch nicht den Blick verstellt hat", wie es die erwähnte Rezension der "Deutschen Zeitung" - in der Inhaltsangabe zum Buch zitiert - 1962 festgestellt hat.
Fazit
Ein zeitloser Klassiker, bekannt durch den - leider stark gekürzten - oscarprämierten Film mit Gregory Peck als Atticus in der Hauptrolle -, der jedoch an Eindringlichkeit und auch an Aktualität bis heute meines Erachtens nichts verloren hat.

Unbedingt lesenswert.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 22. Oktober 2006

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