Francois Lelord: Hectors Reise

Hectors Reise

Verlag: Piper Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-492-04528-5

Preis: 0,57 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Oktober 2016]
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Sofies Welt für Erwachsene

Der französische Psychiater Hector hat im Verlauf seines Berufslebens so viele Patienten therapiert, dass er inzwischen aus dem Grübeln nicht mehr herauskommt. Warum gibt es Menschen, die zufrieden wirken, obwohl es ihnen - objektiv betrachtet - schlecht gehen müsste, und warum jammern andere, obwohl das Schicksal es offensichtlich gut mit ihnen meint?
Eine einzige Frage wird übermächtig und bestimmt sein Denken und Handeln. Die Frage nach dem Wesen und dem Ursprung des Glücks. Um Antworten auf diesen höchst philosophischen Aspekt des Lebens zu finden, muss zunächst der eigene Horizont erweitert werden. Unser philosophisch angehauchter Psychiater begibt sich also auf eine lange, lange Reise, die ihn zunächst nach China führt. Von nun an wird alles und jedes nach den vermeintlichen Gesetzen des Glücks befragt. Akribisch notiert Hector jede neue Erfahrung in seinem kleinen Notizbuch und schon bald hat er zwanzig Lehrsätze gefunden. Auf dem Flug nach China begegnet er einem notorischen Nörgler, der in der zweiten statt in der ersten Klasse reisen muss. Und schon hat Hector das erste Gesetz des Glücks entdeckt: "Vergleiche anzustellen, ist ein gutes Mittel, sich sein Glück zu vermiesen." Das stimmt natürlich; dennoch ist gerade das Vergleichen ein tiefverankertes menschliches Bedürfnis, das in unser Welt das Konkurrenzstreben bestärkt und so in gewisser Weise die Geschäfte belebt. Wenn Nachbar X den neuen BMW hat, will Nachbar Y ihn auch. Unbedingt! Jetzt und sofort!
Kaum ein Roman kommt derzeit ohne eine Liebesgeschichte aus. Auch dieser nicht. Hector verliebt sich in die asiatische Edelprostituierte Ying Li und versucht, ihr zu einem neuen "ordentlichen" Leben zu verhelfen. Er kommt zu dem durchaus wahren Schluss "Glück ist, wenn man dafür geliebt wird, wie man eben ist."
Aber eigentlich liebt Hector ja seine Clara, die daheim in Frankreich geblieben ist. Dieses kleine Intermezzo mit zwei Frauen verhilft wahrscheinlich so manchem Leser zu dem eigenständig formulierten Lehrsatz: Glück ist, wenn man die richtige Entscheidung trifft.
Wie Hector sich entscheidet, darf natürlich nicht vorweg genommen werden. Aber auch das ist vermutlich ein Gesetz des Glücks: Gehe den zweiten Schritt nicht vor dem ersten!

Auch der 1953 geborene Autor, Francois Lelord, ist Psychologe. Auch er ist ein Reisender und weiß folglich, wovon er spricht. Grundsätzlich wirkt Lelords alter Ego Hector häufig wie ein erwachsen gewordener "Kleiner Prinz". Aber hinter diese Naivität schimmert eine Lebensklugheit hervor, die wir nicht nur von Exupéry, Gaarder, sondern auch von Fynns ehemaligen Megaseller "Hallo Mr Gott, hier spricht Anna" kennen.
Fazit
Der Roman schrammelt oft an dem vorbei, was gemeinhin als Kitsch bezeichnet wird. Oft ist er zu bemüht niedlich und zu leserorientiert (du liebst mich doch, mein Leser, oder? Doch, du musst mich einfach lieben, weil ich soooo nett bin!). Andererseits besticht Hector als Gutmensch, als liebevoller Zeitgenosse und als so aufmerksamer Zuhörer, dass ihn der Leser wirklich mögen muss.
Der Klappentext verspricht seinen Lesern, dass "die Lektüre allein glücklich macht". So ganz stimmt das leider nicht. Aber schön war es doch...
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Vorgeschlagen von Heide John [Profil]
veröffentlicht am 15. Oktober 2006

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