Joschka Fischer: Risiko Deutschland

Risiko Deutschland

Verlag: Droemer Knaur [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Politik
ISBN-13 978-3-426-80075-1

Preis: 11,63 Euro bei Amazon.de [Stand: 27. September 2016]
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Peter Glotz hat von dem vorliegenden Buch gesagt, es sei das beste außenpolitische Buch eines deutschen Politikers seit den frühen Arbeiten von Helmut Schmidt. Dem kann ich nur uneingeschränkt zustimmen. No nie habe ich auf so kurzem Raum so viel über die leidgeprüfte Geschichte Deutschlands seit der Reformation und die Gründe seines "Sonderwegs" gelesen wie hier. Und auch die im abschließenden 5. Kapitel daran anschließenden Empfehlungen an die deutsche Außenpolitik, an der Politik der Westintegration, der europäischen Integration und einer zivilen, multilateralen Außenpolitik festzuhalten, ist wohlbegründet. Fischer stellt - wie es dann erst im Jahr 2000 der Historiker Hans-Heinrich Winkler tun sollte, eindeutig dar, dass Deutschland einen Sonderweg ging, indem es der Moderne, politisch ausgedrückt im liberalen Verfassungsstaat und der Demokratie als Regierungsform, auswich. Bismarck schuf - so schreibt es später auch Winkler - einen Einheitsstaat durch eine "Revolution von oben", d.h. er ging ein Bündnis mit der deutschen Nationalbewegung ein und schuf als "weißer Revolutionär" (Lothar Gall) die Einheit von oben. Doch die Freiheitsfrage blieb - ebenso wie die soziale Frage - virulent und dass diese im 19. Jahrhundert nicht gelöst wurde, führte zu Krieg, Niederlage und - durch den psychologisch auf Deutschland verheerend wirkenden Versailler Vertrag, verbunden mit Inflation und Wirtschaftskrise, zum Nationalsozialismus unter Hitler. Hitler war kein "Wilhelm III.", jedoch stand er in Kontinuität zur deutschen Geschichte; es gab - wie Haffner auch bilanziert hat - Elemente von Kontinuität und Diskontinuität in der deutschen Geschichte. Hitler war "kein Betriebsunfall", wie es Fritz Fischer einmal pointiert ausgedrückt hat.

Erst die Westintegration und die innere Demokratisierung führte dazu, dass der deutsche Sonderweg beendet wurde - eine These, die auch Winkler in seinem zweibändigen Werk: "Der lange Weg nach Westen" vertritt. Aufgeschreckt von Renationalisierungsgedanken der "neuen Rechten" warnt Fischer - auch in Anbetracht des - damals voll entbrannten - Jugoslawienkrieges und der Fehler der deutschen Diplomatie bei der vorzeitigen Anerkennung von Kroatien und Sloweniens gegen den Willen der übrigen Westmächte - vor einem Rückfall in Nationalismus. Nur die europäische Integration und eine zurückhaltende deutsche Außenpolitik könnten dies verhindern.
Fazit
Ein sehr gutes - und heute durch die wachsende Zahl von Auslandseinsätzen der Bundeswehr, die unter dem späteren Außenminister Joschka Fischer unter der rot-grünen Bundesregierung verfünffacht wurden - unvermittelt wieder aktuell gewordenen Buches. Unbedingt lesenswert.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 07. Oktober 2006

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