Nachdem ich jetzt den dritten Teil der Bartimäus-Trilogie gelesen habe, ist mein
Urteil zwiespältig. Die Abenteuer um Nathanael, inzwischen zum
Informationsminister und Rupert Deveraux aufgestiegen und um seinen
witzig-spritzigen Dämon Bartimäus, der von seinem Herren immer wieder beschworen
hat, gehen weiter und finden einen - hier nicht zu verratenden - endgültigen
Abschluss.
Positiv an dem Buch - und besser gelungen als in den Vorgängerbänden - ist die differenzierte Charakteranalyse. Besonders Nathanael entwickelt sich vom unsympathischen und kaltherzigen Minister zu einem Menschen, der zu Hilfsbereitschaft, Güte und kritischer Selbstreflexion seines Werdeganges fähig ist. Manchmal erscheint mir diese Wandlung etwas zu sehr aufgesetzt. Handelt es sich dabei noch um den gleichen Charakter der Vorgängerbände? Auch die Witze von Bartimäus scheinen mir etwas "verbraucht" zu sein, wenn wir auch hier erstmals Einzelheiten seiner Vorgeschichte - er war Diener des ägyptischen Prinzen Ptolomäus 124 v. Chr. in Alexandria - und über das "Reich der Geister" erfahren. Auch Kitty, deren Charakter im zweiten Band erstmals eingeführt und entwickelt wird, spielt eine wichtige Rolle in diesem Band und geht zu Herzen. Leider ist der Band aus meiner Sicht zu lang geraten. Er wiederholt so häufig Motive aus den Vorgängerbänden, dass er mir zeitweise wie ein Versatzstück vorkommt. Schon wieder Kämpfe zwischen Zauberern, Gewöhnlichen und Dämonen; die gleichen Motive werden endlos über 600 Seiten wieder "aufgewärmt". Mich hat dies etwas ermüdet, wenngleich ich sagen muss; durch die differenzierte Charakterzeichnung ist der Band eindeutig besser als sein Vorgänger: "Das Auge des Golem", der m.E. der schwächste Band des Zyklus ist. Doch richtige Spannung kommt auch hier eigentlich erst auf den letzten 150 Seiten auf; dies finde ich schade. Fazit
Ansonsten: von der Idee und der differenzierten Charakterzeichnung einmal ein
"anderer", nicht "gewöhnliche" und "voraussehbare"
Wege gehender Fantasyroman.
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