Frank Schulz: Das Ouzo Orakel

Das Ouzo Orakel

Verlag: Eichborn Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-8218-0729-4

Preis: 1,74 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Oktober 2016]
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"Das Ouzo Orakel" ist der dritte Band einer Trilogie, die der norddeutsche Autor Frank Schulz 1991 mit "Kolks blonde Bräute" begann. Im ersten Buch, von Schulz passend als "Säufernovelle" bezeichnet, berichtet sein Held Bodo aus dem Leben des versoffenen Postboten Kolk und anderer Hamburger Kneipengestalten, und zwar in weitgehend lautmalerischer Sprache und alltagserprobten Formulierungen. Vor fünfzehn Jahren waren sich so gut wie alle Rezensenten einig: ein Meisterwerk. 2004 folgte "Morbus fonticuli", so benannt nach einer Krankheit, die Bodo bei sich selbst diagnostiziert und die ihn in die Irrenanstalt bringt. Der dritte Teil von Bodo Mortens Geschichte spielt in Griechenland. Dort lebt der krisengeschüttelte Mittvierziger, nachdem er aus der psychatrischen Klinik entlassen worden ist, seit fünf Jahren. Mit eiserner Disziplin erwehrt er sich der Gefahren des Lebens: Doäß (= Durst, Alkoholsucht) und Liebeswahn (= Frauen). Doch dann taucht seine Jugendliebe Monika auf - der Anfang vom Ende von Bodo’s Zeit am Ionischen Meer. Zwei Wochen reichen aus, um ihn wieder dorthin zu bringen, wo das Verhängnis seinen Anfang nahm: an die Flasche. 530 Seiten lang sind diese vierzehn Tage, und sie erscheinen noch umfangreicher, denn wieder spielt Frank Schulz mit Wort- als Schriftsprache, und erklärende Fußnoten und Anmerkungen gibt es reichlich. Neben der schönen Landschaft sind auch die Charaktere äußerst detailliert skizziert, und mitunter weitschweifige philosophische Streifzüge erfordern, dass sich der Leser gänzlich auf das Buch einläßt. Aufgewogen werden diese literarischen Fußangeln jedoch durch eine Vielzahl an urkomischen und/oder brillianten Gedankengängen über Sucht, Überzeugungen, die Liebe, den Glauben. Im Kern kommt Frank Schulz jedoch ein weiteres Mal auf in allen seinen Romanen wiederkehrendes Hauptthema zurück: die Sehnsucht des Menschen nach Heimat, nach Verwurzelung, nach der Kindheit. Doch selbst seine zahlreichen spöttischen Seitenhiebe auf "Zen-Sven" mit seiner maulfaul berlinernden "Straßenecken-Esoterik" können nicht den Blick darauf verstellen, dass auch Frank Schulz einer der Autoren ist, die mit ihren Büchern die Welt ihrer Leser ein kleines bischen wiederverzaubern möchten. Es gelingt ihm ausgesprochen gut.
Fazit
Eines der schönsten Bücher, die ich kenne: die Charaktere könnten neben Dir in der Kneipe sitzen, ihre Ideen und Macken sind nachvollziehbar, die Geschichte ist glaubwürdig, alles ist in sich stimmig - sogar jedes einzelne Wort sitzt. Wunderbar!
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Annette Rieck [Profil]
veröffentlicht am 07. September 2006

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